Geschichte der Kirche

Vorgeschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Rödelheim 788 als Radilenheim. In Radilenheim gab es schon damals eine Kapelle, wie die Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch von 788 beweist. Im Jahre 1219 ging die Kapelle in den Besitz des Stauferkaisers Friedrich II. über und später wurde sie dem Deutschherren-Orden übertragen.

 

Rekonstruierter Gründungsstein im Rödelheimer Solmspark an der St. Cyriakuskirche

 

 

 

 

 

 

 

Südlich des Rödelheimer Ortskerns wurde auf einer ‚Insel‘ der Nidda und des Mühlgrabens zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert eine mittelalterliche Wasserburganlage errichtet, aus der später das Rödelheimer Schloss (auch Solmser Schloss oder Reichsburg Rödelheim) hervorging. Die Burg gehörte über Jahrhunderte einer Gemeinschaft unterschiedlicher Teilhaber, wie etwa die Stadt Frankfurt und die Ritter von Kronberg. Streitigkeiten zwischen den Teilhabern waren keine Seltenheit. Von 1461-1806 war Rödelheim Sitz der Grafen zu Solms-Rödelheim, die die Burg in mehreren Etappen umbauten und im 19. Jahrhundert zu einem Schloss erweitern ließen.

 

Die St. Cyriakuskirche befindet sich heute „Auf der Insel“ Nr. 5. Der Straßenname ist eine Bezeichnung für die Lage der ersten Rödelheimer Burg.

 

 

 

Von der Kapelle zur Pfarrkirche

Östlich der Rödelheimer Burg und außerhalb des Burgrings wurde in den Jahren 1356-1362, wohl auf den Fundamenten der oben erwähnten Kapelle, die Cyriakuskapelle errichtet. Sie diente zuerst den Falkensteinern und später den Grafen zu Solms als Burgkapelle. Seit dem Jahr 1356 ist die Kapelle dem Heiligen Cyriakus geweiht.

Die gotische Cyriakuskapelle ist heute der Ostchor der St. Cyriakuskirche

(Blick vom Kirchgarten auf die historische Kapelle mit Rittergrabsteinen).

 

 

 

 

 

Detailaufnahme der Rittergrabsteine aus den Jahren 1566 und 1573 an der Kapelle der St. Cyriakuskirche.

 

 

Errichtet wurde die Cyriakuskapelle auf Initiative des Grafen Philipp VII. von Falkenstein und seiner Frau Elisabeth von Eppstein, die das Patronatsrecht in Rödelheim besaßen. In den Jahren 1463-1467 wurde die Kapelle durch Katharina von Ysenburg zur selbstständigen Pfarrkirche erweitert und umgebaut – davon zeugt noch heute der gotische Ostchor. Im Hauptschiff der St. Cyriakuskirche befindet sich zudem die Grabplatte Katharina von Ysenburgs, der Förderin des Erweiterungsbaus von 1463.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grabplatte Katharinas von Ysenburg (gest. 1465) mit Bronzeauflagen im heutigen Hauptschiff der St. Cyriakuskirche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blick in die heutige Cyriakuskapelle (gotischer Ostchor) vom Hauptschiff der St. Cyriakuskirche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von der Reformation bis zum Kaiserreich

Als 1544 Graf Friedrich Magnus in den Landen der Solmser die Reformation einführte, wurde die Cyriakuskirche evangelisch. Der Name der Kirche wurde jedoch nicht geändert. Ebenso wenig wie der Name, sollte baulich viel an der Kirche verändert werden. Erst im Jahre 1895 wurden wesentliche bauliche Veränderungen vorgenommen: Die St. Cyriakuskirche erhielt unter Pfarrer E. Lohoff einen „Lutherturm“ und wurde um ein neues Orgelhaus an der Nordseite erweitert.

 

 

 

Abbildung oben: Cyriakuskirche vor der Erweiterung im Jahre 1895. Gotische Kapelle aus dem 14. Jahrhundert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung unten: Nach der Erweiterung im Jahre 1895. Zu erkennen am „Lutherturm“ mit einem Turmhelm, der in seiner Gestaltung barocke Züge aufweist.

Foto: Dr. Michael Hampel (Verein für Briefmarkenkunde Rödelheim)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung oben: Ansichtskarte aus Rödelheim mit der St. Cyriakuskirche als Motiv.

Foto: Dr. Michael Hampel (Verein für Briefmarkenkunde Rödelheim)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung unten: Blick auf die St. Cyriakuskirche.

 

 

Krieg und Wiederaufbau

In zwei Luftangriffen 1943 und 1944 wurde die Kirche fast völlig zerstört. Nur die Cyriakuskapelle und Reste des Kirchturms blieben erhalten. Ebenfalls verschont blieb glücklicherweise das Geläut aus dem Jahre 1895 (darunter auch die sogenannte „Lutherglocke“). Schon gleich nach dem Krieg sammelte die Gemeinde Geld für den Wiederaufbau. Es wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich fünf Architekten beteiligten. In den Jahren 1951-1953 erfolgte schließlich der Wiederaufbau der Kirche durch die Architekten Dembach und Hieronymus. Die Vorplanungen hatte zuvor Dr. Werner Neumann übernommen. So konnte das Gotteshaus am 1. Advent 1951 Pfarrer O. Müller und der Gemeinde zum gottesdienstlichen Gebrauch wieder übergeben werden. Komplettiert wurde der Wiederaufbau 1956 durch eine neue, 22 Register umfassende Orgel aus dem Hause Steinmeyer (Öttingen). Am 7. Juni 1953 fand schließlich die Turmweihe statt.

Ein Bild der Verwüstung: die zerstörte St. Cyriakuskirche nach dem Zweiten Weltkrieg.

Foto: Dr. Michael Hampel (Verein für Briefmarkenkunde Rödelheim)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die wieder aufgebaute St. Cyriakus-kirche nach dem Krieg: Ansichtskarte aus Rödelheim (ungefähr 1960er-Jahre).

Foto: Dr. Michael Hampel (Verein für Briefmarkenkunde Rödelheim)

 

Vielen Dank an den Verein für Briefmarkenkunde Frankfurt am Main - Rödelheim 1902 e.V. für die Unterstützung und Bereitstellung der Fotos!

Weitere Informationen über die Geschichte Rödelheims erhalten Sie auch beim Heimat- und Geschichtsverein Rödelheim e.V.

Quellen:

Karin Berkemann, Nachkriegskirchen in Frankfurt am Main (1945-76), Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Stuttgart 2013, S. 144-145 (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland Kulturdenkmäler in Hessen).

[Herausgegeben vom Magistrat der Stadt Frankfurt am Main, Untere Denkmalschutzbehörde], Denkmaltopographie Stadt Frankfurt am Main. Braunschweig [u.a.] 1986, S. 710-711 (= Materialien zum Denkmalschutz in Frankfurt am Main, Bd. 1).

Jürgen Telschow/Joachim Proescholdt, Frankfurts evangelische Kirchen im Wandel der Zeit. Frankfurt am Main 2011, S. 315-318.

Reinhold Budenz, Rödelheim, Aus der Geschichte eines Stadtteils, Herausgegeben mit freundlicher Unterstützung der Frankfurter Sparkasse von 1822 (Polytechnische Gesellschaft). Frankfurt am Main 1979.