Gottesdienst für Zuhause - das ist unser erster Schritt für Gottesdienste in einer Zeit, in der Begegnungen wegen der Corona-Krise im Gemeindesaal nicht mehr möglich sind. Vom 22. März an laden wir Sie sonntags um 10:00 Uhr dazu ein. So sind wir miteinander versammelt, auch wenn wir nicht nebeneinander in der Kirche sitzen. Nehmen Sie sich im Wohnzimmer bewusst etwas Zeit zur Andacht. Vielleicht zünden Sie eine Kerze an, denn Christus ist unter uns, wo wir voneinander Abstand halten müssen. Lassen Sie die Bilder auf sich wirken und bringen Sie Ihre Gedanken vor Gott.

Am Sonntag, dem 22. März kommen die Gedanken zum Sonntag von Pfarrerin Silke Schrom. Pfarrerin Schrom und Pfarrer Schümmer sind den Tag über erreichbar, wenn Sie Gedanken oder Sorgen mit jemandem teilen möchten.

Gottesdienste zuhause der vergangenen Wochen finden Sie hier.


Bild des Tages

Lätare heißt dieser 4. Sonntag in der Passionszeit, „Freut Euch!“. Entnommen ist der Name des Sonntags aus dem ersten Vers des Predigtextes aus Jesaja 66 „Freut euch mit Jerusalem“.

Freude, sie liegt so nahe. Es ist Frühling. Die Natur zeigt ihn uns seit Tagen, jeden Tag ein bisschen mehr. Und seit gestern steht auch der Kalender auf Frühling. Haben wir einen Blick für das Leben, das um uns grünt, blüht und erwacht?

Freude, sie liegt so fern. Die Nachrichten und Bilder sind bedrückend. Sorge und Angst greifen um sich. Die Bedrohung durch das Corona-Virus ist nicht greifbar und rückt uns doch so dichtauf die Pelle. 

Freude, wir haben sie so nötig. Sowieso und in dieser Zeit ganz besonders.  Glück, Freude und Hoffnung stärken auch unser Immunsystem.

Wir sind verbunden an verschiedenen Orten wenn wir „Gottesdienst zu Hause“ feiern im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Gedanken zum Predigtext Jesaja 66, 10-14 in der Übersetzung der „Guten Nachricht“

10 Freut euch mit der Zionsstadt, jubelt über ihr Glück, ihr alle, die ihr sie liebt und denen ihr Leid zu Herzen geht!
11 Sie wird euch teilgeben an der Fülle ihrer Herrlichkeit; ihr werdet an ihrer Mutterbrust saugen und mit Glück gesättigt werden.

Das Baby an der Mutterbrust ist ein Bild voll Zuwendung, Liebe und Geborgenheit. Die Mutterbrust hält neben der kuscheligen Wärme auch Nahrung bereit. Aber ist das ein Bild, mit dem wir uns als Erwachsene wiederfinden? Unter normalen Umständen, noch vor 1-2 Wochen wahrscheinlich eher nicht. Unsere Selbständigkeit, Freiheit und Unabhängigkeit ist uns normalerweise sehr wichtig. Wie wichtig und auch selbstverständlich sie uns geworden sind, merken wir jetzt wo immer mehr Einschränkungen und Verbote unseren gewohnten Alltag aus dem Takt bringen, wie eine aufgezwungene Fastenzeit. Das zu akzeptieren, sich darin einzurichten, fällt vielen schwer. Die trotzigen Kinder feiern noch „Corona-Parties“

Und für andere, durchaus gestandenen Frauen und Männer, wird das Bild vom Baby an der Mutterbrust zum Trostbild.  Die Vorstellung ist schön, einfach so versorgt zu werden. Einfach in den Armen gehalten und sich um nichts Sorgen machen zu müssen.Sich fallen lassen können und gehalten zu sein.

12 Ich, der Herr, verspreche: Ich schenke der Zionsstadt Frieden und Wohlstand; der Reichtum der Völker wird ihr zufließen wie ein nie versiegender Strom. Ihr werdet an ihren Brüsten saugen, ihr werdet euch fühlen wie Kinder, die auf dem Arm getragen und auf den Knien gewiegt werden.

So vieles kommt aus der weiten Welt zu uns. Frisches Obst und Gemüse, Kaffee und Tee, Handys und Autos, Medikamente, ja, eigentlich alles hängt in weltweiten Kreisläufen zusammen.Und wenn es ins Stocken gerät, wenn die Weltwirtschaft aus den Fugen gerät, wenn gewohnte Handelsflüsse ins Stocken geraten, dann merken wir, wie viele Dinge uns selbstverständlich geworden sind im Reichtum der Kulturen und Völker. Diese Pandemie führt uns doch eigentlich deutlich vor Augen wie eng miteinander verwoben wir auf dieser Erde leben, voneinander abhängig.

Das Virus kennt keine Grenzen, so sehr einzelne Staaten und Bundesländer auch für sich versuchen, ihren eigenen Weg zu gegen und sich von anderen abschotten, Grenzen schließen.

13 Ich werde euch trösten, wie eine Mutter tröstet. Das Glück Jerusalems wird euch glücklich machen.

Die tröstende Mutter – das rührt an einer starken Sehnsucht: Die Sehnsucht, dass doch alles gut werden kann. Die Corona-Pandemie beherrscht zur Zeit fast das ganze Denken. Darüber werden andere Themen in den Hintergrund gedrängt. Die Zwangspause vom Alltagstrott und Alltagspflicht setzt eine Fülle von Kreativität und Zuwendung frei. Zarte Pflänzchen von Menschlichkeit und an andere denken. Mögen sie wachsen und gedeihen, auch dann, wenn Corona längst überwunden ist: dass Corona und andere Krankheiten geheilt werden können, dass Erschöpfte Erholung finden, dass ein Umdenken einsetzt, dass Zuwendung und Nächstenliebe aufleben, dass Kriege zu Ende kommen, Geflüchtete eine Heimat finden, dass Rassismus überwunden wird, der Klimawandel aufzuhalten ist, dass keine Menschen mehr verhungern...

Alles wird gut! Die tröstende Mutter rührt an einer starken Sehnsucht: Ja, das wünsche ich, dass alles gut wird und alles vergessen, was mich zurzeit unruhig macht. Wie das Gefühl aus Kindertagen spüren, wie mich meine Mutter im Arm wiegt mich, auf mein verletztes Knie pustet und sagt: „Alles wird gut, alles wird wieder gut.“

14 Wenn ihr das erlebt, werdet ihr voll Freude sein; neuer Lebensmut wird in euch erwachen, so wie im Frühling das frische Grün sprosst.« Ja, der Herr zeigt seine rettende Macht an denen, die ihm treu sind; aber seine Feinde bekommen seinen Zorn zu spüren.

Hier kommen Hell und Dunkel ins Spiel, die guten und die zerstörerischen Mächte. Wachstum, Heilung, Geborgenheit finden wir in der Welt, in uns selbst und auch in unseren Glaubensgeschichten genauso, wie Rache, Wut und Zorn. Wir spüren, wie gefährdet unser Leben ist, und doch so stark. Das Virus ist unsichtbar und doch allgegenwärtig und hält unseinen Spiegel vor.

Wir wenden uns zu Gott, unsichtbar und doch allgegenwärtig und vertrauen darauf, dass die Lebendige schützend ihre Hand über uns und ihre Welt hält. Heute und an allen Tagen.

Lied 98 Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt

Gebet mit Bezug zu Jesaja 66,13 (Gott sagt: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“)

Formuliert von: Doris Joachim, Referentin für Gottesdienst  

Lass dir erzählen, Gott, wie es uns geht.
In diesen Tagen.
Wo alles so anders ist.
So durcheinander.
Wo die Sonne lacht
und wir die Freude vergessen.
Wo die Natur neues Leben hervorbringt
und wir in Ängsten sind.
Tröste uns, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Alten in den Pflegeheimen,
die wir nicht mehr besuchen dürfen wie sonst.
Und den Kranken,
die meist ohne ihre Lieben in den Krankenhäusern sind.
Allen Menschen, die in ihren Wohnungen bleiben müssen
und die Einsamkeit fürchten.
Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Kindern, die die Sorge der Erwachsenen spüren.
Den Jugendlichen, für die Ruhe halten so schwer ist.
Den Eltern, die jetzt so viele Lösungen finden müssen.
Allen Menschen, die um ihre Existenz fürchten.
Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Menschen, die sowieso schon am Ende ihrer Kräfte sind.
In den Flüchtlingslagern in Griechenland und anderswo.
In den griechisch-türkischen Grenzgebieten.
Und lass dir erzählen von den vielen Menschen,
dort und hier,
die helfen und nicht müde werden.
Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Gott, schütte sanft deinen Trost über uns aus.
Der uns umhüllt.
Und Segen dazu.
Der uns immun macht
gegen die Panik.
Sage zu unserem ängstlichen Herzen:
„Beruhige dich.“
Sprich zu unserer verzagten Seele:
„Ja, die Gefahr ist da. Aber ich bin bei dir.“
Und noch dazu und allem zum Trotz:
Gib uns die Freude wieder.
An der Sonne.
An der aufbrechenden Natur.
An den Menschen, die wir lieben.
An dir, du Gott des Lebens.
Damit wir mutig durch diese Zeit gehen.

Vater unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.

Baumblüte

Bibeltext der nach der Übersetzung der "Guten Nachricht" © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart