#hoffnungsschimmer - das ist die Andacht in der Mitte der Woche während der Corona-Krise. Pfarrer Schümmer versucht immer am Dienstag im Laufe des Tages hier einen neuen Impuls zu veröffentlichen, der Sie während der Woche begleiten kann.

Pfarrer Schümmer und Pfarrerin Schrom sind für Sie erreichbar, wenn Sie beim Lesen Gedanken mit jemandem teilen möchten.


Bild von Larisa Koshkina auf Pixabay

Gott ist bei Dir

#hoffnungsschimmer 1

„Zuversicht – Sieben Wochen ohne Pessimismus!“ So lautet das Motto der diesjährigen Fastenaktion. Im letzten Cyriakusbrief konnten Sie dazu schon einige Gedanken lesen. Nachdem in den letzten Monaten und Jahren auch in der Cyriakusgemeinde so manches ins Wanken geriet, nachdem die Kirche wegen des Umbaus geschlossen wurde, nachdem einige Gruppen und Kreise nach dem Weggang von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in ein Loch fielen, nachdem der Kirchenvorstand in den letzten beiden Jahren so viele Menschen verloren hatte, nach alldem versprach das Motto eine Kraftquelle für die Kirchengemeinde zu werden. Wo immer ich über das Motto mit Menschen in der Gemeinde sprach, sah ich, wie sie mitten im Gespräch ihre Gedanken kreisen ließen, wie Sehnsüchte und Träume im inneren Auge Raum gewannen und wie ein Lächeln über die Gesichter ging.

Auch über die Grenzen der Kirchengemeinde hinaus machte das Motto Lust auf den Traum der Zuversicht: Zuversicht auf einen Rückgang rechter Gewalt, nachdem die Todesschüsse in Hanau auch unsere Nachbarschaft wachgerüttelt hatten. Zuversicht auf ein Umsteuern in unserem Klimaverhalten, nachdem die Jugend in den letzten Monaten so vehement auf die Straßen ging und die Waldbrände in Australien die Klimaforscher in Atem hielten. Zuversicht auf Frieden, trotz all der neuen Kriegsmeldungen aus dem Nahen Osten. „Sieben Wochen Zuversicht“ schenkten den sozial Engagierten Mut, dass sich ihr Einsatz irgendwann auszahlen würde. In ihren Augen sah ich einen Traum, ein Bild einer Welt mit weniger Sorgen, einen Schimmer der Hoffnung.


Der Inbegriff eines Träumers

„Zuversicht – Sieben Wochen ohne Pessimismus!“, das wollte zum Träumen einladen. Doch für Viele wird der Traum gerade zum Alptraum. Seit einigen Tagen stellen wir uns in eine selbstverordnete Isolation. Wir meiden Sozialkontakte, um unsere Mitmenschen genauso wie uns selbst zu schützen. Kitas und Schulen sind geschlossen, die meisten Dienstleistungsunternehmen mussten ihre Arbeit einstellen, der Gang auf die Straße wird zum angsterfüllten Weg durch die unsichtbaren Spuren des Virus. In Deutschland erleben wir eine medizinische Krise, wie sie viele von uns nie zuvor erlebt haben.

Die Politik reagiert mit drastischen Einschränkungen. Sie vertraut auf die Einschätzungen der Wissenschaft und rechnet zugleich mit dem Schlimmsten. Jede und jeder ist aufgerufen, zur Verlangsamung der Verbreitung von Corona beizutragen. Dieser Aufruf ist gut und richtig, auch wenn die Einschränkungen schmerzen. Halten Sie Abstand! Bleiben Sie zu Hause, wo immer es geht!

Bild von Markus Distelrath auf Pixabay

All das klingt nicht gerade nach Optimismus. Vielmehr ziehen mit der Isolation Ängste in die Häuser ein: Was wird sein, wenn die Enkel auch über längere Zeit nicht mehr die Großeltern besuchen dürfen? Was wird sein, wenn es meine Familie erwischt? Wird dann jemand da sein, der sich trotzdem um uns kümmert? Und wenn mich die Krankheit mit voller Wucht trifft, wird es dann genug Ärzte geben, die sich meiner Gesundheit annehmen?

Es ist vor allem die Ungewissheit vor dieser fremden Krankheit, die vielen Menschen zu schaffen macht. Die Phantasie versucht die Ungewissheiten zu füllen, die Träume malen sie aus. Und weil die Furcht so ein mächtiger Widersacher ist, macht sie sich allzu oft auch in den Träumen breit. Der Optimistische Traum mutiert zum Alptraum.

Ich muss an viele Stellen in der Bibel denken, wo Menschen in ihren Ängsten und Alpträumen zu Wort kommen. Da kennt einer die Dunkelheit „im finsteren Tal“ (Psalm 23) oder es fragen sich die Jünger Jesu, wie es sein wird, wenn Jesus nicht mehr bei ihnen ist. Zwei Erfahrungen von Menschen, die sich in der Situation der Einsamkeit nach Sicherheit suchen.

Die beiden Geschichten geben ihre eigenen Antworten auf diese Sehnsucht. Jesus macht seinen Jüngern Mut, dem Beziehungsfaden, der in der Taufe angelegt wurde, zu vertrauen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28) Auch wenn keine physische Begegnung möglich ist, bleibt die Verbindung im Glauben bestehen.

Und auch der Psalmbeter gibt nicht auf: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn Du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich.“ Diese Worte aus dem 23. Psalm strotzen voll Vertrauen. Gott ist da, auch in der tiefsten Einsamkeit und der Dunkelheit der Angst. Und mehr noch: Gott stärkt den Beter auf einer „frischen Aue“, wo Bäche klaren Wassers fließen und das Leben in Fülle siegt. Selbst im Angesicht der Bedrohung bleibt die Freude an einem reich gedeckten Tisch. Du darfst es dir gut gehen lassen, denn Gott meint es gut mit dir. Diese Überzeugung gibt der Beter des Psalms uns auch in diesen Tagen als Hoffnungsschimmer mit.

Verliert euch in diesen Tagen nicht aus den Augen. Nutzt Briefe, Telefon, WhatsApp und Skype und schreibt euch gegenseitig. Seid untereinander für euch da, auch wenn ihr nicht am gleichen Ort seid. So wird die Einsamkeit nicht zur Finsternis. So schimmern Strahlen der Hoffnung auf, wo der Geist in Sorge ist. Und wer nicht weiß, mit wem sie oder er in diesen Tagen reden kann, kann uns eine kurze Nachricht schreiben oder einfach anrufen. Inzwischen haben sich auch in unserer Gemeinde Menschen gefunden, die Zeit spenden und für Gespräche bereitstehen. Und natürlich erreichen Sie auch Pfarrerin Schrom (069-784335) und Pfarrer Schümmer (069-788278 oder 0151-22350866).

Ich lade Sie und euch dazu ein, miteinander und füreinander zu beten. Das geht in Gedanken ebenso wie in den neuen Räumen des Internets. Am Sonntag haben die Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Rödelheim und Sossenheim gemeinsam im Chat das Vaterunser gebetet. Ich hätte nicht geglaubt, dass das Gebet auch hier so viel Kraft gibt. Ein weiterer Ort für das Gebet wurde auf evangelisch.de eingerichtet. Bis zum Ende der Coronakrise ist hier Raum zum gemeinsamen Online-Gebet: http://coronagebet.de. Probieren Sie es einfach einmal aus.

Gott segne dich in den Stunden der Nacht.
Er lasse Hoffnungsschimmer aufleuchten,
wo Angst und Sorge dich bedrängen.
Er schenke Weite im Herzen,
selbst auf engem Raum.
So sei Gott bei dir am Abend und am Morgen
und jeden Tag in dieser Krisenzeit.
Amen!

Bleiben Sie gesund!

Es grüßt Sie Pfarrer Till Schümmer.