Gottesdienst für Zuhause - das ist unser erster Schritt für Gottesdienste in einer Zeit, in der Begegnungen wegen der Corona-Krise im Gemeindesaal nicht mehr möglich sind. Wir feiern am Sonntag um 11:30 Uhr. Die Andacht hat Pfarrerin Schrom gestaltet.
Nehmen Sie sich im Wohnzimmer bewusst etwas Zeit zur Andacht. Vielleicht zünden Sie eine Kerze an, denn Christus ist unter uns, wo wir voneinander Abstand halten müssen. Lassen Sie die Bilder auf sich wirken und bringen Sie Ihre Gedanken vor Gott. Um 12:00 Uhr werden in Rödelheim wieder die Glocken läuten. Vielleicht sind Sie in Ihrer Andacht dann gerade beim Vaterunser. Oder sie haben die Andacht schon gefeiert und nutzen das Läuten für ein weiteres Gebet.

Pfarrerin Schrom und Pfarrer Schümmer sind den Tag über erreichbar, wenn Sie Gedanken oder Sorgen mit jemandem teilen möchten.

Die Gottesdienste der vergangenen Wochen finden Sie hier.


Bild des Tages

„...sieh, wohin wir geh‘n.“

Gottesdienst für Zuhause am Sonntag Judica, den 29. März 2020

„Judica“ heißt dieser 5. Sonntag in der Passionszeit., „Schaffe mir Recht, Gott“. Das sind die einleitenden Worte des 43. Psalms, des Wochenpsalms für diese Woche.

Unüberhörbar laut klingt der Ruf nach Gottes Beistand und Recht durch diesen Tag, durch diese Zeit. Es ist wieder ein Sonntag unter den strengen Regeln der Kontaktbeschränkungen in der Hoffnung, damit die Ausbreitung des Corona-Virus und vor allem der damit verbundenen schweren Erkrankungen eindämmen zu können. Wieder ein Sonntag, an dem wir uns deshalb auch nicht in der Kirche, im Gemeindesaal zum Gottesdienst versammeln dürfen. Ich lade Sie, Zuhause Gottesdienst zu feiern, allein oder mit den Menschen, mit denen Sie zusammenleben.

Wir sind über die Grenzen der Wohnungen und Häuser miteinander verbunden im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Betrachtungen zum Wochenlied in Verbindung mit dem Predigttext

Heute möchte ich Gedanken zum Wochenlied aus EG 97 „Holz auf Jesu Schulter“ und dem Predigttext aus Hebräer 13, 12-14 mit Ihnen teilen. Singen wir zunächst die ersten beiden Strophen. Gerne können Sie dazu das Gesangbuch zur Hand nehmen. Das Lied findet sich unter der Nummer 97. Wenn Sie so weit sind, klicken Sie auf den Abspiel-Button des Videos.

Das Wort „Krise“ hat für uns im allgemeinen einen negativen, manchmal sogar bedrohlichen Klang. In eine Krise möchten wir am liebsten gar nicht erst kommen. Und wenn sie unvermeidbar ist, wollen wir da möglichst schnell und möglichst heiler Haut wieder rauskommen. Eigentlich meint „Krise“ viel neutraler einfach einen Wendepunkt, den Höhepunkt einer Situation wo Entscheidungen fallen oder getroffen werden, wie es weiter geht. Wer sagt denn, dass dann nicht auch Weichen zum besseren gestellt werden können? Wer sagt denn, dass Entscheidungen immer nur negative Folgen haben müssen?

Zur Zeit stecken wir mitten in der „Corona-Krise“, das hören wir dieser Tage immer wieder. Eine sehr ansteckende und manchmal sehr schwer verlaufende neue Krankheit verbreitet sich schnell auf der ganzen Welt. Sie zwingt zu einschneidenden Maßnahmen. Seit 2 Wochen ist unser gewohnter Tageslauf fast ganz ausgebremst. Wie in einer kollektiv verordneten Fastenzeit können und müssen wir uns neu orientieren. Was war, was ist, was wird sein? Was wird wieder, wie es war. Was wird nicht wieder so? Was soll, was darf auch nicht mehr so weitergehen, wie bisher?

Lasst uns die nächsten drei Strophen des Liedes singen!

Der Predigttext lädt uns sehr bildlich ein, „hinauszugehen vor das Lager“, zu Jesus, dem leidenden und mitleidenden Gottessohn und mit ihm die Lage zu betrachten. Draußen, vor der Stadt, raus genommen aus dem Alltagstrubel. Draußen vor den Stadttoren, an der entscheidenden Gerichtsstätte.

Hebräer 13,12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. 13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Diese Krisenzeit offenbart uns einige Zustände der Welt und unserer Gesellschaft. Normalerweise nehmen wir das so hin oder wir nehmen es erst gar nicht wahr.

Das Gesundheitswesen: Vor wenigen Wochen noch hochgepriesen, als eines der besten auf der Welt und gut vorbereitet. Nun zeigen sich die Schattenseiten einer Gesundheitspolitik, die auf die Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser und Arztpraxen ausgerichtet ist. Medikamente und medizinisches Gerät, das in Billiglohnländern produziert wird und fehlendes Personal. Plötzlich steht die bange Frage unüberhörbar im Raum: schaffen wir das? Werden alle Patientinnen und Patienten angemessen behandelt werden können?

14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Die Gesellschaft: Berufsgruppen erfahren eine Aufmerksamkeit als „systemrelevant“, die sonst „unter ferner liefen“: Kassiererinnen und Kassierer in den Supermärkten, Pflegerinnen und Pfleger in Krankenhäusern und Pflegeheimen, LKW-Fahrer*innen, die für den Lieferfluss sorgen, Bäuerinnen und Bauern, die ihre Ernte nicht einbringen können, weil Arbeitskräfte fehlen. … Beifall und lobende, anerkennende Worte werden ihnen jetzt zuteil. Wie ist es um ihre Löhne und Arbeitsbedingungen bestellt?

14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Die Demokratie: Das Virus, die Krankheit verbreiten sich weltweit. Sie macht keine Unterschiede. Staaten und Bundesländer gucken nur bis zu ihrer eigenen Grenze.

Die Regierung trifft tief einschneidende Entscheidungen, die vor Kurzem noch undenkbar waren. Der Krise geschuldet, in der Krise angemessen – hoffentlich. Mit welchen langfristigen Folgen?

14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Die Umwelt: Die Wirtschaft steht still, die Abgasemissionen sinken deutlich. Menschen bangen und ihren Arbeitsplatz und Lebensunterhalt. Die Natur, unsere große Lebensgrundlage darf kurz aufatmen. Und dann?

14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

„Draußen vor dem Lager“ passiert noch viel mehr, während Corona unsere ganze Aufmerksamkeit bindet. In den Flüchtlingslagern und den Kriegsgebieten, …

14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Und „draußen vor dem Lager“, fern der alten Routine finden wir manche menschlichen Regungen wieder. Wir achten wieder mehr auf andere, fragen nach. Schnell sind Nachbarschaftshilfen entstanden. Krankenhäuser, die noch Plätze und Personal frei haben, entlasten die, die in großer Not sind, grenzübergreifend. Beispiele, die Schule machen könnten auf dem Weg in die künftige Stadt.
Amen.

Lasst uns die sechste Strophen des Liedes singen!

Gebet: Sieh, wohin wir geh‘n

Sieh, wohin wir geh‘n, Gott,
mit allen Regierenden, die in diesen Tagen großer Verantwortung tragen und weitreichende Entscheidungen treffen.
Mit allen, die krank sind und auf Hilfe und Heilung warten.
Mit allen Kranken, deren Behandlungen und Operationen noch mal aufgeschoben wurden.
Mit allen, die Kranke behandeln und pflegen, bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.
Mit allen, die Entscheidungen über Behandlungen schwer Kranker treffen müssen, an der Grenze zwischen Leben und Tod.
Mit allen Sterbenden und denen, die Abschied nehmen möchten und es nicht dürfen.
Mit allen, die arbeiten und uns mit dem Notwendigen versorgen.
Mit allen, die gerade nicht arbeiten dürfen und um ihre Existenz bangen.
Mit allen, die jetzt noch mehr unter Einsamkeit und Isolation leiden.
Mit allen, die ungeduldig werden und auf schnelle Lockerung der Beschränkungen drängen.
Mit allen, deren Schicksale „vor lauter Corona“ vergessen werden.
Mit uns: höre, was wir dir noch ganz persönlich sagen möchten …
(hier ist Raum für weitere, persönliche Gebetsanliegen)
Sieh, wohin wir geh‘n Gott.
Amen

Vater unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

Amen.

Segen

formuliert von Pfarrerin Doris Joachim

Gott segne euch mit der Weite des Himmels
und umhülle euch mit der Wärme der Sonne.

Gott ermutige euch mit der Kraft der Erde
und schenke euch die Ruhe des Herzens im Klang der Bäume.

Gott beflügle euch mit dem Geist der Hoffnung
und stärke euch auf eurem Weg in dieser Zeit.

Amen.

Als Nachspiel haben wir noch eine weitere Fassung von "Holz auf Jesu Schulter" gefunden. Diese Klänge mögen Sie in die kommende Woche begleiten.

Baumblüte

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