Gottesdienst für Zuhause. Wir feiern am Sonntag, dem 5. April um 12:00 Uhr oder zu einem anderen Zeitpunkt Ihrer Wahl. Die Andacht hat Pfarrer Schümmer gestaltet.
Pfarrerin Schrom und Pfarrer Schümmer sind den Tag über erreichbar, wenn Sie Gedanken oder Sorgen mit jemandem teilen möchten.

Gottesdienste zuhause der vergangenen Wochen finden Sie hier.


Palmsonntag

Bild von Gini George auf Pixabay

„Dein Zion streut dir Palmen...“

Gottesdienst für Zuhause am Palmsonntag, den 5. April 2020

Die dritte Woche Gottesdienst zuhause. Das Wichtigste ist inzwischen hoffentlich bei Ihnen eingerichtet. Vielleicht zieht an einigen Stellen bei Ihnen inzwischen wieder der Alltag ein. Vielleicht haben Sie es geschafft, sich mit den Einschränkungen der Corona-Krise zu arrangieren. Vielleicht begleiten Sie eher die Sorgen um die Gesundheit. Vielleicht mussten Sie erfahren, dass Menschen, die Ihnen nahestehen, erkrankt sind.

Die dritte Woche Gottesdienst zuhause. Es ist gut, dass wir Gottesdienst feiern – jede und jeder für sich zuhause und doch im Gebet und in der Feier verbunden. Es ist gut, dass der Gottesdienst unsere Zeit zuhause unterbricht und die Aufmerksamkeit für einen kleinen Moment aus dem Alltag herausreißt.

Die dritte Woche Gottesdienst zuhause. Nehmen Sie sich eine Viertelstunde Zeit, suchen Sie sich einen schönen Ort in Ihrem Zuhause. Zünden Sie eine Kerze an. Die folgenden Texte und Lieder können uns verbinden. Spielen Sie die Lieder ab und lassen Sie die Texte auf sich wirken. Zwischen den einzelnen Texten können Sie sich einen Moment Zeit nehmen und Ihre eigenen Gedanken ergänzen. 

Mit dem Klang der Glocken der Cyriakuskirche stimmen wir uns auf den Gottesdienst ein und vertrauen darauf, dass Gott in unserer Mitte ist. So feiern wir Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Einstimmung

Palmsonntag!
Menschen säumen die Straßen auf dem Weg in die Stadt.
Sie warten auf den einen, von dem so viele sagen, er sei der Messias.
Sie legen den Boden mit Palmzweigen aus.
Großer Jubel breitet sich aus.

Palmsonntag!
Heute sind die Straßen aus gutem Grund fast leer.
Heute halten wir Abstand und bleiben zuhause.
Die Fähnchen werden nicht geschwungen.
Die Palmzweige liegen nicht auf den Straßen.
Ein schlechter Tag für einen triumphalen Einzug in die Stadt.

Palmsonntag!
Vor fast 2000 Jahren wurde die Sache mit Jesus richtig ernst.
Jesus geht zieht in das Zentrum der religiösen Welt ein.
Jesus stellt sich der Menge und die Menge will in Jesus den Messias sehen.
Ja, sie möchte in Jesus einen starken König sehen, der Gott an seiner Seite hat.

Palmsonntag! 
Heute ist das Sehnen ruhiger.
Vielleicht weil nur noch wenige Menschen auf einen Messias vertrauen.
Jede und jeder soll es selbst in der Hand haben, ob Rettung vor dem Übel kommt oder nicht.
Deshalb bleiben wir zuhause und leisten damit unseren Beitrag, um gemeinsam die Gefahr zu bannen.

Palmsonntag!
Es ist kein gewöhnlicher Mann, der dort vor 2000 Jahren durch die Tore der Stadt zog.
Kranke machte er gesund, Verängstigten schenkte er neues Vertrauen.
Es ist kein gewöhnlicher Mensch, der heute durch die Tore unserer Stadt ziehen soll.

Wo stehe ich, wenn dieser Mensch kommt?

 

1 Wie soll ich dich empfangen
und wie begegn ich dir,
o aller Welt Verlangen,
o meiner Seelen Zier?
O Jesu, Jesu, setze
mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze,
mir kund und wissend sei.

Nicht erst Johann Sebastian Bach wusste schon genau um diese Widersprüchlichkeit: Da ist einer, der als rettende Kraft in die Welt kommt – aber gleichzeitig ist auch schon klar, dass dieser Retter nach menschlichen Maßstäben total scheitert. Bach nimmt den fragenden Ruf der Menschen auf, die zwar im innersten spüren, dass Hilfe nötig ist, die aber zugleich in ihren eigenen Lösungswegen gefangen sind. Und so nimmt Bach den Text von Paul Gerhardt und schenkt ihm eine neue Melodie. Vielleicht kennen Sie diese Melodie aus einem anderen Werk von Bach: Sie zieht sich durch die Matthäuspassion, dort mit dem ursprünglicheren Text.

O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden
mit einer Dornenkron,
o Haupt, sonst schön gezieret
mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret:
gegrüßet seist du mir!

Sie hatten auf Jesus gewartet als den Macher, den Problemlöser, den Superhelden. Wie einen Helden haben sie ihn willkommen geheißen. Und wie einen Star, der nicht die gewünschten Lieder gespielt oder die gewünschten Worte gesagt hat, haben sie ihn fallen gelassen.

Der Evangelist Johannes beschreibt diesen herrschaftlichen Einzug Jesu in Jerusalem, dem Evangelium für den heutigen Tag (Joh 12, 12-19):

12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, 13 nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! 14 Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht: 15 »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« 16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte.

17 Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. 18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. 19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Bibeltext der Lutherbibel revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Der Einzug in Jerusalem | Johannes 12,12-19
Bibeltext gelesen von Rufus Beck aus: Die große Luther-Hörbibel 2017, © 2019 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Die Menschen an Palmsonntag vor knapp 2000 Jahren wünschten sich, endlich wieder in Freiheit zu leben. Sie sehnten sich nach einem Ende der Bedrohung durch Krieg und Besatzung. Sie wollten nicht in der Starre der Angst und des Todes verharren. Sie wollten wieder etwas von der verheißenen Freiheit spüren, die Gott ihnen versprochen hatte.

Sie sehnten sich wieder nach einem starken Anführer. Und da die Bedrohung eine militärische war, warteten sie auf einen Befreier mit militärischer Kraft. Allen voran die Mächtigen, denn sie kannten schon damals vor allem die Sprache der Macht.

Worauf warten Sie und worauf wartet ihr in diesen Tagen? Auf eine Problemlöserin? Auf eine Ärztin oder einen Arzt, die endlich sagt: „Die Gefahr durch das Virus ist vorüber – ihr könnt wieder sicher in euren Städten wohnen.“? Wartet ihr auf einen Mächtigen Wirtschaftslenker, der finanziellen Nöten ein Ende macht? Wartet ihr vielleicht auf eine neue Flüchtlingspolitik oder eine neue mächtige Hand zum Schutz des Klimas?

Ich nehme mir Zeit und lasse diese Frage durch meinen Kopf gehen. Ich lasse diese Gedanken nachklingen, wenn ich die zweite Strophe des Liedes „Wie soll ich dich empfangen“ jetzt mitsinge: „Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn.“ Hört noch einmal die Melodie und singt oder lest die darunter stehende Strophe mit.

Dein Zion streut dir Palmen
und grüne Zweige hin,
und ich will dir in Psalmen
ermuntern meinen Sinn.
Mein Herze soll dir grünen
in stetem Lob und Preis
und deinem Namen dienen,
so gut es kann und weiß.

Heute ist Palmsonntag. Es ist vielleicht in diesem Jahr ganz besonders ein Tag der Entscheidung. Wem lege ich die Palmen zu Füßen und auf wen setze ich meine Hoffnung? Und worauf will ich überhaupt hoffen? Auf einen, der mit dem Finger schnippt und alles auf einmal gut werden lässt? Oder vielleicht eher auf einen, der so daher kommt wie Jesus. Ein Mensch der bescheidenen Schritte. Eine Frau oder ein Mann, die dienen will, statt zu herrschen?

Den heutigen Palmsonntag nutze ich für einen Blick aus dem Fenster. Die Straßen sind leerer als sonst. Aber einige sind unterwegs, weil sie als Dienerinnen oder Diener für die Menschen in unserer Stadt da sind. Auch wenn es schon viele ausgesprochen haben: Wir sollten ihnen dankbar sein für die Menschlichkeit, die sie in diesen Tagen aufrechterhalten. Danke, ihr Pflegerinnen und Pfleger, die ihr in den Heimen und Kliniken euren Dienst tut, nicht ohne euch selbst in Gefahr zu begeben. Danke, ihr Ärztinnen und Ärzte, die ihr mit den Kranken mitgeht. Danke, ihr Erzieherinnen und Erzieher, die ihr in den Kitas ausgehalten habt, um den Menschen, die dienen, den Rücken frei zu halten. Danke, ihr Lehrerinnen und Lehrer, die ihr auch in den Ferien weiter für die Schülerinnen und Schüler da seid. Danke, ihr Frauen und Männer in den Supermärkten und Apotheken, in den Wasserwerken und Feuerwachen, in den vielen weiteren Berufsfeldern, die jetzt gebraucht werden, um das Leben zu unterstützen. Ihr alle dient den Schwachen und denen, die eure Hilfe brauchen.

In der heute beginnenden letzten Woche der Passionszeit nehme ich mir vor, all diese Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren. Im Kleinen tun sie das, was getan werden muss. Nicht alleine aber in ihrer Gesamtheit lassen sie mich erahnen, was Gott tat, als er – ganz Mensch – in Jerusalem einzog. Gott war nicht der Problemlöser nach menschlichen Maßstäben. Gott war da: in Sorge und Angst, in Schmerzen und Tod. Gott war da und nahm seinen Sohn an die Hand. Und so gelang der Weg durch die Dunkelheit hindurch, aus dem an Ostern das Leben in Fülle spürbar wird. Aber noch liegen einige Tage vor uns. Noch gehen wir mit durch die Finsternis. Denn Gott ist da und geht mit.

Amen.

Gebet

Ich lade Sie ein, zu einer kurzen Zeit des Gebets. Wenn Sie möchten, dann vervollständigen Sie die Leerstellen und machen Sie das Gebet zu Ihrem persönlichen Gebet an Palmsonntag.

Jesus Christus,
auf Palmen kamst du nach Jerusalem,
nimm uns mit auf diesem Weg des Dienens.
Sei bei allen, die diesen Weg jetzt gehen.
Bei ....

Jesus Christus,
nicht selten fürchten wir uns vor dem Weg,
der in den nächsten Wochen vor uns liegt.
Sei bei allen, die jetzt Angst haben.
Bei ....

Jesus Christus,
Jubel brach aus auf dem Weg nach Jerusalem,
schenke uns Momente des Jubels.
Sei bei allen, die dankbar sein können.
Bei ...

Und in unseren Gedanken bringen wir vor Gott,
was das Herz gerade bewegt,
was schwer ist und was Flügel verleiht. ....

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

Segen

Und so segne dich Gott,
so behüte dich Gott, wo du in Ängsten bist,
so leuchte Gottes Antlitz über dir, wo Dunkelheit deinen Blick trübt,
so umhülle dich Gott mit seinem Frieden.
Amen.