Gottesdienst für Zuhause. Wir feiern am Sonntag, dem 19. April um 12:00 Uhr oder zu einem anderen Zeitpunkt Ihrer Wahl. Die Andacht hat Pfarrerin Schrom gestaltet.
Pfarrerin Schrom und Pfarrer Schümmer sind den Tag über erreichbar, wenn Sie Gedanken oder Sorgen mit jemandem teilen möchten.

Gottesdienste zuhause der vergangenen Wochen finden Sie hier.


Wie neu geboren

Gottesdienst für Zuhause am Sonntag Quasimodogeniti, dem 19. April 2020

Der „Gottesdienst Zuhause“ wird wohl noch einige weitere Wochen unser „gottesdienstlicher Alltag“ bleiben. Von anderen Menschen müssen wir Abstand halten, wir dürfen uns nicht in Gruppen versammeln, die „Corona-Regeln“ gelten weiterhin. Wie gut, dass Gott keine Kontaktsperre hat!

Wir haben seine Verheißung: da, wo wir in seinem Namen versammelt sind, da ist Gott mitten unter uns. So lade ich Dich und Sie auch heute wieder ein zum Gottesdienst Zuhause: im Wohnzimmer bei einer brennenden Kerze, auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten zwischen blühenden Büschen und Frühlingsblumen, unter dem Gesang der Vögel, an vielen Orten und doch miteinander verbunden im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Das folgende Osterlied mag Dich, mag Sie einstimmen auf diesen Gottesdienst.

Auf, auf, mein Herz, mit Freuden (EG 112, 1+2+6)

Text: Paul Gerhardt 1647, Melodie: Johann Crüger 1647

1 Auf, auf, mein Herz, mit Freuden nimm wahr, was heut geschicht;
wie kommt nach großem Leiden nun ein so großes Licht!
Mein Heiland war gelegt da, wo man uns hinträgt,
wenn von uns unser Geist gen Himmel ist gereist.

2 Er war ins Grab gesenket, der Feind trieb groß Geschrei;
eh er’s vermeint und denket, ist Christus wieder frei
und ruft Viktoria, schwingt fröhlich hier und da
sein Fähnlein als ein Held, der Feld und Mut behält.

6 Ich hang und bleib auch hangen an Christus als ein Glied;
wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit.
Er reißet durch den Tod, durch Welt, durch Sünd, durch Not,
er reißet durch die Höll, ich bin stets sein Gesell.

Ostern aus der Tüte

Wir kommen von Ostern her. „Ostern aus der Tüte“ war es in diesem Jahr. Sich nicht zum Gottesdienst versammeln zu dürfen an diesen höchsten Feiertagen des Kirchenjahres, ist vielen schwer gefallen. Deshalb ist Ostern aber noch lange nicht ausgefallen. 150 Tüten mit Andachtsmaterialien sind abgeholt worden, im Vorbeigehen mitgenommen und manche ganz bewusst verschenkt worden, an Bekannte oder Nachbarn, die Trost und Hoffnung nötig haben. Und in den folgenden Tagen hingen Dankesbotschaften am Zaun, wo vorher die Tüten hingen.

Allein, in der Gemeinschaft des Haushaltes oder der Familie wurde so in Rödelheim und darüber hinaus Gottesdienst gefeiert, in ökumenischer Verbundenheit. Trauer und Einsamkeit, Hoffnung, Freude, Dankbarkeit, all das hatte seinen Raum und sein Recht. Sogar der Altar im Gemeindesaal, unserem doch gerade verlassenen, leeren Gottesdienstraum wurde für Karfreitag und Ostern angemessen geschmückt. Zur Ehre Gottes, auch wenn es sonst niemand sieht, einfach weil es jemandem ein Bedürfnis war.

Gott bewegt und begleitet uns durch diese Tage. Nimm Dir, nehmen Sie sich beim Hören, Singen oder Lesen des nächsten Liedes die Zeit, dem nachzuspüren.

Da wohnt ein Sehnen tief in uns (EG plus 102)

Text: Eugen Eckert, Melodie: Anne Quigley

Refrain Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott,
nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.
Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück,
nach Liebe, wie nur du sie gibst.

1 Um Frieden, um Freiheit,
um Hoffnung bitten wir.
In Sorge, im Schmerz –
sei da, sei uns nahe, Gott.

Refrain Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott,
nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.
Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück,
nach Liebe, wie nur du sie gibst.

2 Um Einsicht, Beherztheit,
um Beistand bitten wir.
In Ohnmacht, in Furcht –
sei da, sei uns nahe, Gott.

Refrain Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott,
nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.
Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück,
nach Liebe, wie nur du sie gibst.

3 Um Heilung, um Ganzsein,
um Zukunft bitten wir.
In Krankheit, im Tod –
sei da, sei uns nahe, Gott.

Refrain Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott,
nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.
Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück,
nach Liebe, wie nur du sie gibst.

4 Dass du, Gott, das Sehnen,
den Durst stillst, bitten wir.
Wir hoffen auf dich –
sei da, sei uns nahe, Gott.

Refrain Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott,
nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.
Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück,
nach Liebe, wie nur du sie gibst.

Quasimodogeniti, wie die neugeborenen Kinder, so heißt der heutige erste Sonntag nach Ostern.

„Ich fühle mich wie neugeboren“, ist so ein Redewendung. Erleichterung, schwingt darin mit. Frische Kraft, Mut, Hoffnung, und Energie nach einer überstandenen schwierigen Phase im Leben, voll Sorgen und Ängsten, Ohnmacht und Verzweiflung. Endlich eine neue, positive Sicht auf das Leben, endlich ein neuer Weg, der Lust und Lebensfreude weckt. Eine österliche Perspektive. Aber kein „Knopf umlegen und alles ist gut“. Das Bild vom neugeborenen Kind trägt Hoffnung und Freude genauso in sich wie Verletzlichkeit und Schutzbedürftigkeit. Aber auch Potential, Entwicklung, die mit viel Zuwendung, Geduld, Liebe und Vertrauen entdeckt, gefördert und entfaltet werden muss. Das kennen alle, die ein Kind aufgezogen und ins Leben begleitet haben.

Der österliche Weg des Lebens ist ein langer Weg, ein Weg der in Liebe, Geduld, Beharrlichkeit und Vertrauen gegangen werden will. Ein Weg auch des Staunens über das Leben und seinen Schöpfer.

Der für heute vorgeschlagene Predigttext nimmt uns mit auf den Weg des Staunens über das von Gott geschaffene, vielfältige Leben. Er gibt uns langen Atem für den Weg des Lebens im Vertrauen auf Gottes Begleitung, Schutz und Kraft.

Predigttext aus Jesaja 40, 26-31

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?
28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.
30 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; 31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Bibeltext der Lutherbibel revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Loslegen, durchstarten, die ganzen Einschränkungen wegen Corona endlich hinter sich lassen können und wieder ganz normal leben dürfen, wie früher… Dieser Wunsch ist in diesen Tagen spürbar und hörbar. Und gleichzeitig wissen wir, dass dies ein langer Weg wird. Ein Weg auf dem wir viel Geduld, Umsicht, Behutsamkeit und Vertrauen brauchen. Verletzlich und schutzbedürftig wie neugeborene Kinder sind die ersten Erfolge die Ausbreitung des Virus einzudämmen und den Kranken zu helfen. Verletzlich und schutzbedürftig wie neugeborene Kinder ist, was im Schatten der Coronakrise das Licht der Welt erblickt hat: Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme, Fantasie und Kreativität.

Und Einblicke wie gefährlich ein Gesundheitssystem ist, das auf Wirtschaftlichkeit gerichtet ist, statt auf bestmögliche Behandlung der Kranken.

Einsichten, welche Berufe unsere Gesellschaft tragen und am Laufen halten – und welche Anerkennung sie außer Applaus und Heldenruhm wirklich brauchen.

Das Virus kennt keine Grenzen, es macht keine Unterschiede zwischen arm und reich. Es lehrt uns neu, dass wie sehr alles Leben, alle Menschen auf dieser Welt zusammengehören und einander brauchen.

Es ist an der Zeit im Licht von Ostern, Wege zu überdenken und zu korrigieren, beharrlich, geduldig, zuversichtlich und vertrauensvoll. Das Leben, das Gott schenkt, ist voller Wunder, schutzbedürftig und entwicklungsfähig wie ein neugeborenes Kind, stark und unverwüstlich wie Löwenzahn, der an den unwirtlichsten Stellen seine Wurzeln und Blüten treibt.

Löwenzahn

Gebet mit Worten Dietrich Bonhoeffers und Raum für eigene Anliegen

„Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie uns nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen.“

Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, DBW Bd. 8, S. 30.

Ja, Gott, um diese Kraft und dieses Vertrauen bitten wir dich
für die Menschen, die unter der Einsamkeit und Isolation leiden,
für die Menschen, die bis zur Erschöpfung arbeiten und die, die um ihre Existenz bangen,
für Menschen, die Gewalt ausgeliefert sind,
für Menschen, deren Schicksale gerade völlig aus dem Blick geraten in den vielen Flüchtlingslagern und Elends- und Kriegsgebieten der Welt,
für Menschen, die viel Verantwortung tragen und an den „Hebeln der Macht“ sitzen
für …

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

Segen

Gottes Segen leuchte uns wie das Licht am Ostermorgen.
Gottes Friede begleite uns.
Gottes Liebe beflügle uns.
Gottes Freude rühre uns an.
Christus ist auferstanden.
In diesem Glauben segne uns Gott.
Amen.

Verfasser*in unbekannt; aus Heidi Rosenstock, Hanne Köhler: „Du, Gott, Freundin der Menschen. Neue Texte und Lieder für Andacht und Gottesdienst“ Stuttgart 1991, S. 138.

Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit (EG 100)

Text: Str. 1 Medingen um 1380; Str. 2-5 bei Cyriakus Spangenberg 1568 nach "Resurrexit Dominus" 14. Jh., Melodie: Hohenfurt 1410, Böhmische Brüder 1544, Wittenberg 1573

1 Wir wollen alle fröhlich sein
in dieser österlichen Zeit;
denn unser Heil hat Gott bereit’.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.

2 Es ist erstanden Jesus Christ,
der an dem Kreuz gestorben ist,
dem sei Lob, Ehr zu aller Frist.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.

3 Er hat zerstört der Höllen Pfort,
die Seinen all herausgeführt
und uns erlöst vom ewgen Tod.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.

4 Es singt der ganze Erdenkreis
dem Gottessohne Lob und Preis,
der uns erkauft das Paradeis.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.

5 Des freu sich alle Christenheit
und lobe die Dreifaltigkeit
von nun an bis in Ewigkeit.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.