Freitagspsalmen bringen Ihnen zum Ende der Arbeitswoche einen Moment zum Innehalten. So, wie die Psalmen der Bibel schon imer Ausdruck menschlicher Freude und Sorge waren, so möchte Pfarrerin Schrom auch mit den Psalmgebeten helfen, in dieser Zeit der Krise eine Sprache zu finden.

Pfarrerin Schrom und Pfarrer Schümmer sind für Sie erreichbar, wenn Sie nach dem Gebet mit jemandem sprechen möchten.


Psalm 116

Er neigte sein Ohr zu mir

Psalmgebet für Freitag, den 24. April 2020 mit Worten aus Psalm 116, dem Wochenpsalm zu Quasimodogeniti, der 1. Woche nach Ostern

1 Das ist mir lieb, dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört.
2 Denn er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

Ist es wahr, Gott, dass Du mich hörst? Bin ich nicht viel zu unbedeutend? Es gibt doch sicherlich andere, deren Not viel größer ist, die Dich viel nötiger brauchen als ich… Und ich habe schon solange nicht mehr gebetet. Ich weiß kaum noch, wie das geht. Doch nun will ich es versuchen. Ich brauche Dich jetzt auch einfach mal.

3 Stricke des Todes hatten mich umfangen, des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not.
4 Aber ich rief an den Namen des Herrn: Ach, Herr, errette mich!

Ich bin so verunsichert. Die Fülle an Nachrichten und Informationen erschlägt mich. Die Beschränkungen im Alltag, sie nerven und bedrücken mich. Die Angst vor dem Coronavirus steckt mir tief in den Knochen. Die Bedrohung ist nicht zu greifen und doch folgt mir das mulmige Gefühl auf Schritt und Tritt wie mein Schatten. Doch ich sehne mich danach, wieder normal und unbeschwert leben zu können. Welchen Nachrichten kann ich vertrauen? Worauf kann ich mich verlassen?

5 Denn der Herr ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig.
6 Der Herr behütet die Unmündigen; wenn ich schwach bin, so hilft er mir.
7 So sei wieder zufrieden, meine Seele; denn der Herr tut dir Gutes.
8 Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Ich denke zurück an mein Leben, das mir bis vor wenigen Wochen noch so selbstverständlich war. Zur Arbeit gehen, in die Schule und den Kindergarten, einkaufen gehen und zum Arzt, meine Freizeit gestalten. Konzerte und Theater, Sport und Spiel. Pläne schmieden für den nächsten Urlaub und mich darauf freuen. Mich mit Freunden treffen und die Enkel umarmen. 
Sag, Gott, warst Du da einfach ganz still an meiner Seite und hast mich all das Gute erleben lassen?
Ich denke zurück an mein Leben, das mir bis vor wenigen Wochen noch so selbstverständlich war. Es war ja nicht nur gut, schön und bequem. Pläne sind gescheitert, Träume geplatzt. Manchmal war mir alles zu viel. Da hatte ich keine Kraft mehr, keine Hoffnung, keine Freude. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Aber es ist weitergegangen. Ich bin froh, dass ich das überstanden habe. Noch mal möchte ich das nicht erleben, ehrlich nicht. 
Sag, Gott, warst Du da auch einfach ganz still an meiner Seite und hast mir geholfen, da raus zu kommen?
Dann bist Du vielleicht auch jetzt da und hörst mich und hilfst mir?!!

9 Ich werde wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen.
13 Ich will den Kelch des Heils erheben und den Namen des Herrn anrufen.

Ich danke Dir, Gott, dass Du mir zuhörst. Mir ist schon leichter ums Herz. Mit Dir an der Seite gibt es einen Weg. Hilf mir ihn zu finden. Für mich und für die Welt.
Amen

Bibeltext der Lutherbibel revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart