Gottesdienst für Zuhause.  Wir feiern am Sonntag, dem 26. April um 12:00 Uhr oder zu einem anderen Zeitpunkt Ihrer Wahl. Die Andacht hat Pfarrerin Schrom gestaltet.
Pfarrerin Schrom und Pfarrer Schümmer sind den Tag über erreichbar, wenn Sie Gedanken oder Sorgen mit jemandem teilen möchten.

Gottesdienste zuhause der vergangenen Wochen finden Sie hier.


Auf der Spur des Hirten

Gottesdienst zuhause zum Sonntag Misericordias Domini, den 26. April 2020

Eröffnung zum Klang der Glocken um 12 Uhr oder zu jeder anderen Zeit

Gott ist da, in Gefahr, in Bewahrung, in Dankbarkeit. Wir sind da. An unterschiedlichen Orten. Verbunden im Glauben an Jesus Christus, der spricht: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Wir sind versammelt zum Gottesdienst zuhause im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Misericordias Domini

Dieser 2. Sonntag nach Ostern trägt den Namen „Misericordias Domini“, von der Barmherzigkeit Gottes. Gottes Barmherzigkeit ist ganz eng mit dem Bild des guten Hirten verbunden, der zuverlässig für die ihm anvertraute Herde sorgt. Der sicherstellt, dass sie Fütter und Wasser findet. Der Hirte, der sie schützt und verteidigt vor allen drohenden Gefahren. Psalm 23, der Wochenpsalm dieser 2. Woche nach Ostern, nimmt all diese Bilder auf. Ich lade Dich, ich lade Sie ein, diesen Psalm zu sprechen. Und anschließend beim Hören auf eine beliebte jüdische Melodie mit dem hebräischen Psalmtext nachklingen zu lassen, wenn Du, wenn Sie mögen und die technischen Möglichkeiten dazu vorhanden sind.

Psalm 23 Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Bibeltext der Lutherbibel revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart


Zum Zuhören Psalm 23 auf Hebräisch, Melodie:R‘Ben Zion Schenker (1946)

Impuls

Der 23. Psalm ist wohl der bekannteste Psalm überhaupt. Generationen von Konfirmandinnen und Konfirmanden mussten ihn auswendig lernen. Vielen ist im Laufe der Jahre zum Lebensbegleiter, zum Trost- und Hoffnungspsalm geworden. Andere haben gerade in den finsteren Tälern, den Krisen- und Problemzeiten ihres Lebens sehr mit und um den guten Hirten gerungen. Manche haben ihn nicht mehr gefunden. Viele Bilder und Gemälde zeigen ein romantisches Hirtenidyll, das weder mit biblischer noch mit heutiger Hirtenrealität etwas zu tun hat. Für uns Frankfurterinnen und Frankfurter im großstädtischen Lebensumfeld gehören der Hirte mit seiner Herde nicht zur Lebenserfahrung. Trotzdem berührt dieses Bild Menschen bis heute. Auch in Großstädten. Es rührt wohl an eine tiefe menschliche Sehnsucht nach Geborgenheit, Sicherheit und Orientierung.

In diesem Jahr ist so vieles anders. Die Gefahr durch Corona ist nicht greifbar, aber mächtig und gegenwärtig. Ein kleines Virus konfrontiert uns mit unserer Verletzlichkeit. Es hat uns unserer Sicherheiten und Gewohnheiten beraubt. Es beherrscht das Leben und schränkt den Horizont ein. Für viele andere drängenden Probleme haben wir keine Kraft und keinen Nerv mehr. Der Alltag, die Routine steht weitgehend still. Was ist jetzt gut und richtig? Informationen bekommen wir in Hülle und Fülle. Welchen können wir vertrauen, welchen nicht? Die Beschränkungen sind sehr einschneidend, mit vielfältigen gravierenden Folgen. Welche Lockerungen sind geboten, wie nutzen wir die gegebenen Spielräume verantwortlich? Ist jeder Mensch, dem wir begegnen, jetzt eine potentielle Gefahr für uns als Virusträger? Ist es klug, früher oder später zur gewohnten Tagesordnung zurück zu kehren, persönlich, in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche? Oder ist diese Zwangspause vom Alltag nicht auch eine große Chance, die Dinge zu überdenken. Gegenzusteuern, Weichen anders zu stellen, ökologischer, sozialer, gerechter? Man wird ja wohl mal träumen und hoffen dürfen...

Fragen über Fragen. Entscheidungen mit weitreichenden Folgen stehen an, das spüren und ahnen wir.

Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. - hören wir im heutigen Predigttext aus dem 1. Petrusbrief. Er stellt uns in hochtheologischen Worten den gekreuzigten Christus als Vorbild vor:

Predigtext 1. Petrusbrief 2, 21-25
21 Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; 22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; 23 der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; 24 der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. 25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Bibeltext der Lutherbibel revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

„Ihr wart wie irrende Schafe“, das ist zwar nicht das Bild, das mir als erstes gekommen wäre. Es ist eines aus der Bildsprache des heutigen Sonntags, das mich anspricht in unserer gegenwärtigen Situation. Probierend, suchend, was möglich ist und auch nach denen, denen wir vertrauen können, die Orientierung geben.

Dann der leidende, gekreuzigte Christus als Vorbild??! Er ist und bleibt eine Zumutung, eine Provokation.

Es gäbe andere Vorbilder, einfachere, angenehmere. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind gerade sehr gefragt. Fundiertes Wissen, Fakten, Erfindungen, die uns das Leben angenehmer, leichter und heiler machen. Vielleicht mit dem ersehnten Impfstoff gegen Corona – und wir kriegen unser gewohntes Leben wieder?... Doch wir Christinnen und Christen sind mit dem Vorbild konfrontiert, das uns keine Flucht, keine Illusion, keinen Traum ermöglicht: In dem Leidenden, dem Ohnmächtigen, dem Gekreuzigten müssen wir uns der Welt und ihren Bildern stellen. Und nicht nur das: Wir müssen es zulassen, dass diese Bilder uns berühren, uns betroffen und traurig machen. Denn so ist das Leben: Neben all dem Schönen und Freudigen gibt es die Seite des Lebens, die hässlich, traurig und furchtbar ist.

Trotzdem ist dieses Vor-Bild vom Gekreuzigten nicht ohne Hoffnung, nicht ohne Träume von einer besseren, heilvolleren Welt: Es ist so ein ehrliches Bild vom Leben in dieser Welt und aller Erlösungsbedürftigkeit.

Was wir beim Blick auf den Gekreuzigten immer wichtig ist: wir gucken von Ostern her auf den Gekreuzigten, sein Leben, Leiden und Sterben. Aber Jesus bleibt nicht im Leid. Das Leiden wird nicht zu einem Selbstzweck. Das Leid ist nicht der Schlusspunkt. Jesus bleibt nicht im Tod gefangen. Er ist auferstanden. Auf Karfreitag folgt Ostern. Hier wird deutlich: Leiden gehört zum Leben. Und in allem, dem Leiden und dem Schweren ist Gott an unserer Seite. Leiden gehört zum Leben – und es ist trotzdem nicht gottgewollt. Gott möchte, dass wir nicht im Leiden bleiben, sondern es überwinden, neue Hoffnung bekommen und neu auferstehen – immer wieder.

Christus taugt als Vorbild und vertrauenswürdiger Hirte, weil er das ganze Leben kennt.

Mit dem Blick auf Christus kann sich unser Blick auf die Wirklichkeit verändern. Wir sehen diese Welt, ihre Ungerechtigkeit, die Fehlerhaftigkeit, die Probleme und Mängel, und wollen sie zu einem besseren Ort machen. So hat es Jesus uns gezeigt, so können wir seinen Fußspuren folgen. Und diese Welt zu einem besseren und gerechteren Ort machen. Die Krise, die wir gerade durch Corona erleben, setzt viele Energien und Charakterzüge frei, auch sehr viele Gute. Daran sollten wir uns halten., darauf bauen. Hoffnungen, die auch vor den Bildern der Nachrichten, des „wahren Lebens“ bestehen. Jesus Christus als Vorbild, hält die Realität aus und bietet uns Raum zum Träumen und Leben.

Lied: Auf der Spur des Hirten führt der Weg durch weites Land (EG 616)

1. Auf der Spur des Hirten führt der Weg durch weites Land.
In der Zeit der Fülle hat mein Herz sein Wort erkannt.
Laut und fröhlich klingt das Lied, das sich durch mein Leben zieht:
Fröhlich ist, wer Christus in der Welt am Werke sieht!

2. Auf der Spur des Hirten führt der Weg durch Einsamkeit.
In der Zeit der Dürre schweigt das Herz voll Traurigkeit.
In Bedrückung ist mein Halt und gewinnt in mir Gestalt,
der, des’ Tod und Leben meiner Angst und Sorge galt.

3. Auf der Spur des Hirten sind, die er beruft, geeint,
trocknet er die Tränen, die in Jahr und Tag geweint.
Er, der Trennendes durchbricht, füllt das Herz mit Zuversicht.
Auf der Spur des Hirten wird das Ziel des Weges licht.

Text: Sabine Ruf, Rolf Hocke (1984/91) nach dem ungarischen geistlichen Kinderlied »Megy A Pásztor« von Erzsébet Túrmezei (nach Joh. 10) 1943
Melodie: Zoltán Kodály 1941

Gebet

Vieles geht mir durch den Kopf, Gott.
Manchmal schwirrt mir der Kopf regelrecht.
Ich möchte dir so vieles sagen, Gott.
Die Gedanken entgleiten mir immer wieder, bevor ich sie in Worte fassen kann.
Ich habe auch nicht für alles Worte.
Ich vertraue darauf, dass du mich trotzdem verstehst.
Dass du mich in der Stille hörst und zwischen den Zeilen liest.
So lege ich alles Ungesagte und Unsägliche mit hinein in die Worte,
die Jesus Christus uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auch auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Segensbitte

Gott segne uns und behüte uns.
Lass du dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Erhebe dein Angesicht auf uns und schenke uns und deiner Welt Frieden.
Amen.

Das Lied zum Ausklang lädt ein zur Freude, zum Träumen, Hoffen und Leben.

Wie lieblich ist der Maien (EG 501)

1. Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,
des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.
Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid,
die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

2. Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein!
Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein.
Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß;
drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloß’.

3. Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein,
damit sich’s möge schicken, fröhlich im Geist zu sein,
die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,
das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.

4. Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein
und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein;
die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei,
damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.

Text: Martin Behm (1604) 1606
Melodie: Johann Steurlein 1575; geistlich Nürnberg 1581