Freitagspsalmen bringen Ihnen zum Ende der Arbeitswoche einen Moment zum Innehalten. So, wie die Psalmen der Bibel schon imer Ausdruck menschlicher Freude und Sorge waren, so möchte Pfarrerin Schrom auch mit den Psalmgebeten helfen, in dieser Zeit der Krise eine Sprache zu finden.

Pfarrerin Schrom und Pfarrer Schümmer sind für Sie erreichbar, wenn Sie nach dem Gebet mit jemandem sprechen möchten. Frühere Freitagspsalmen finden Sie hier.


Psalm 23

„…und ob ich schon wanderte im finstern Tal…“

Freitagspsalm zum 1. Mai 2020 zum Psalm 23, dem Wochenpsalm zu Misericordias Domini, der 2. Woche nach Ostern

... unter Verwendung eines Gebets von Pfarrerin Doris Joachim, Zentrum Verkündigung

1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

„Gott ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln.“ „Mir wird nichts mangeln?“ - wirklich nicht? Gott, das ist gerade schwer zu glauben… Das betet sich ganz nett in guten Zeiten. Doch jetzt sind wir im finstern Tal. Wo es düster ist, wo Spannung in der Luft liegt und eine misstrauische Atmosphäre. Und du bist unser Hirte? Und weidest uns auf grüner Aue?
Die grünen Wiesen im Park und an der Nidda sind für manche von uns unerreichbar. Andere tummeln sich dort, immer unter den wachsamen „Augen des Gesetzes“, dass die Abstände eingehalten werden.

4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Siehst du, Gott, wie es uns geht? Wir haben Angst. Wir haben Sehnsucht. Der Spuk soll bald ein Ende haben. Es ist Frühling, es ist Mai. Die Natur lebt auf und zieht uns mit. Wir wollen raus, auf grünen Wiesen liegen. Wir wollen unsere Lieben sehen, mit ihnen zusammen sein. Unbefangen, ohne Angst und ohne Misstrauen. So hast du uns gemacht. Zu Menschen, die die Nähe brauchen, die Gemeinschaft suchen.

Doch das Tal ist lang.

Bist du, mein Gott, denn wirklich da? So wie die Alten vor Jahrtausenden gebetet haben. In diesem Psalm, der mir vertraut ist. Von Kindheit an. „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du bist bei mir.“ Ich fürchte mich aber. Siehst du das, Gott? Die ganze Menschheit ist in Angst.

Und doch trösten diese Worte – so oft wiederholt. Sie malen ein Bild in mir. Hoffnung erblüht. Ich weiß nicht, wie.

„Du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich“.
Sie lassen mich aufatmen. Meine Lebendigkeit kehrt zurück. Mitten im finstern Tal. Das trägt mich, wenn ich Abstand ertragen muss. Das hilft mir, wenn ich Masken trage und in maskierte Gesichter schaue. Denn du siehst mich, du siehst hinter die Masken. Du siehst uns an.
Voll Liebe und Güte bist du uns nahe. Und es gibt Zukunft. Denn:

6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Einen gesegneten Tag wünscht Dir und Ihnen Pfarrerin Silke Schrom.

Zum Ausklang noch eine Vertonung des 23. Psalms des jüdischen Komponisten Louis Lewandowski (1821 -1894)

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