Gottesdienst für Zuhause.  Wir feiern am Sonntag, dem 26. April um 12:00 Uhr oder zu einem anderen Zeitpunkt Ihrer Wahl. Die Andacht hat Pfarrer Schümmer gestaltet.
Pfarrer Schümmer und Pfarrerin Schrom sind den Tag über erreichbar, wenn Sie Gedanken oder Sorgen mit jemandem teilen möchten.

Gottesdienste zuhause der vergangenen Wochen finden Sie hier .


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#wirBleiben

Gottesdienst für Zuhause am Sontag Jubilate, den 3. Mai 2020

Lasst den Gottesdienst beginnen

Suchen Sie sich einen schönen Ort in Ihrem Zuhause. Zünden Sie eine Kerze an. Die fol-genden Texte und Lieder können uns verbinden. Spielen Sie die Lieder ab und lassen Sie die Texte auf sich wirken. Zwischen den einzelnen Texten können Sie sich einen Moment Zeit nehmen und Ihre eigenen Gedanken ergänzen.

Mit dem Klang der Glocken der Cyriakuskirche stimmen wir uns auf den Gottesdienst ein und vertrauen darauf, dass Gott in unserer Mitte ist. So feiern wir Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Ein Lied zum Mitsingen

Psalmgebet

Jubilate – Jubelt!
Das steht über diesem Sonntag und über Psalm 66, dem Psalm zum heutigen Sonntag.

Psalm 66 1 Jubelt Gott zu, Menschen aller Länder!
2 Singt von der Herrlichkeit seines Namens!
Stimmt an den Lobgesang auf seine Herrlichkeit!
3 Sagt zu Gott: »Wie gewaltig sind deine Taten!
Wie groß und mächtig bist du doch!
Sogar deine Feinde schmeicheln dir!«
4 Menschen aller Länder sollen vor dir niederfallen,
sollen dich preisen, deinen Namen preisen!

BasisBibel. Neues Testament und Psalmen, © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart: www.basisbibel.de

Und so beten wir zu Dir Gott:
Schenke uns die Kraft zum Jubel, auch wenn Angst und Sorge vieles verstummen lässt.
Schenke uns die Stimme zum Gesang, auch wenn um uns herum alles schweigt.
Schenke uns die Augen für deine Herrlichkeit, auch wenn der Alltag so verletzlich erscheint.
Schenke uns den Glauben für deine Ewigkeit, die mit der Auferstehung begann.
Amen.

Sonntagsgedanken

Zuhause bleiben

#StayAtHome – bleibe zuhause – das steht seit einigen Wochen auf meinem Handy. Mein Mobilfunkanbieter hat mit dem Beginn der Kontaktbeschränkungen die Darstellung seiner Anbieterkennung auf dem Handy verändert. Wo zuvor der Firmenname die Verbindung in die Welt suggerierte, lese ich jetzt dieses zwei Worte – bleibe zuhause – neumodisch verbunden in einem sogenannten Hashtag.

Und auch an anderen Orten begegnen mir immer häufiger solche Aussagen: #WIRBLEIBENZUHAUSE war zu Beginn der Corona-Krise der Name einer Kampagne des Bundesgesundheitsministeriums. Menschen wurden dazu aufgerufen, einen kurzen Videoclip zu drehen, in dem sie erzählen, warum es besser ist, zuhause zu bleiben.

So nach und nach merken wir, wie schwierig das sein kann: einfach zuhause zu bleiben. Viele Menschen berichten mir inzwischen, wie groß die Sehnsucht ist, wieder einmal ungezwungen in die Welt hinaus zu gehen, Menschen, die man inzwischen vermisst zu umar-men, ausgelassen gemeinsam Spaß zu haben. Die Politik reagiert darauf mit der Öffnung von mehr und mehr Bereichen: Schulen nehmen einen eingeschränkten Betrieb wieder auf, Geschäfte bieten wieder ihre Waren vor Ort an, Friseure öffnen und auch in Kirchen dürfen wieder Feiern stattfinden. Viele fangen an zu experimentieren. Viele überlegen neu, wie ein Miteinander jetzt aussehen kann. Und viele merken: das Miteinander ist irgendwie anders, weil eine Begegnung eben doch nicht geht, weil die Angst und der Infektionsschutz uns alle auf Abstand hält.

Warum ist es so schwierig, einfach zuhause zu bleiben? Was fehlt uns in diesen Tagen, dass wir nicht bleiben können? Auch hier höre ich viele Stimmen:

Da ist die Jugendliche, die langsam merkt, dass es in der kleinen Wohnung ziemlich eng wird, wenn immer alle zuhause sind. Die Eltern immer da, der Austausch mit den Freundin-nen und Freunden nur per Handy und dann auch noch der Stress mit der Schule, von der Woche für Woche neue Aufgaben kommen, ohne dass wirklich jemand eine gute Unterstüt-zung sein kann.

Da ist der Restaurantbetreiber, der so gerne wieder in Kontakt mit seinen Gästen kommen würde – nicht nur, weil das Geld langsam knapp wird, sondern auch weil ihm das Neue und Aufregende fehlt, das jeder unbekannte Gast mitbringt.

Da ist die Seniorin, die es nach dem Tod ihres Mannes eigentlich gewohnt war, alleine zuhause zu leben. Und doch ist ihr Zuhause noch stiller geworden, ihre Umgebung noch klei-ner. In diesen Tagen merkt sie, was ihr fehlt, seitdem sie ihren Mann verloren hat.

In Christus bleiben

In unserem heutigen Predigttext geht es auch um das Bleiben. #StayInChrist würde man neudeutsch vielleicht titeln, wollte man den wichtigsten Gedanken daraus zusammenfassen.

Hören Sie sich den Predigttext aus dem Johannesevangelium in dem obigen Video an oder lesen Sie ihn selbst:

Joh 15,1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.

5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Bibeltext der Lutherbibel revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

#StayInChrist – bleibt in Christus. Diese Worte prägen sich ein und sind doch zugleich so schwer zu fassen. Zuhause bleiben, das ist einfach. Aber wie soll man in Christus bleiben? Immerhin ist er kein Ort und so recht fassen kann man ihn auch nicht. Ich gebe zu, dieses „in Christus sein“, war mir lange Zeit mehr fromme Floskel als konkrete Praxis. Denn ich tue mich schwer mit dem Bleiben, möchte so gerne mehr erreichen, die Welt ein bischen verändern. Viel lieber höre ich den Taufbefehl Jesu mit dem Aufruf: „Geht hinaus in die Welt und lehrt alle Völker! Tauft sie! Nehmt sie mit hinein in unsere Gemeinschaft!“ (vgl. Mt 28, 18-20).

Doch im Johannesevangelium klingt das ganz anders: „Bleibt in mir und ich in euch,“ sagt Jesus. Bleibt mit mir verbunden, so wie ich mit euch verbunden bleibe. Karl Barth hat in seiner Kirchlichen Dogmatik zu dieser Stelle geschrieben: „Wer ‚bleiben‘ soll, dem ist ja offenbar gesagt, daß er sich in dem heimatlichen Raum, in den er gehört, in dem er frei atmen darf, in dem ihm alles, was er braucht, von allen Seiten geboten ist, schon befindet und daß er darum auf alles Suchen und Jagen nach anderen Lebensmöglichkeiten ruhig verzichten darf.“

Karl Barth, Kirchliche Dogmatik II,2, S. 228

Alles, was Du brauchst

In Christus bleiben, das ruft der Predigttext heute immer wieder zu. Insgesamt sechsmal dreht sich das Wort Jesu um das Bleiben. Denn Jesus weiß, wie sehr es den Jüngern im Herz brennt, wie sehr sie in diese Welt hineinlaufen wollen, wie sehr sie die Welt verändern wollen, dass sie etwas mehr so wird, wie Jesus es für das Reich Gottes beschrieben hat. Die Jünger hatten schon damals diesen Aktionismus im Blut, den wir in unserer Machergesellschaft heute so oft zur Schau stellen. Wir wollen am Reich Gottes bauen und etwas Gutes tun.

Bild von Marc Pascual auf Pixabay

Diesen bewegten Jüngern schreibt Jesus das statische Wort „bleibt“ ins Gedächtnis. Und er verbindet dieses Wort mit einem Bild, das die Zeit ebenfalls entschleunigt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“, sagt Jesus. In der Welt Jesu war der Wein eines der prächtigsten Gewächse. Wer einen Weingarten anlegen will, der braucht Zeit und Geduld. Von Jahr zu Jahr muss der Weinstock geschnitten werden, damit er gute Frucht bringt, so ist es noch heute. Der Winzer schaut sich jeden Weinstock genau an und wählt zwei Reben aus, die in diesem Jahr Frucht bringen sollen. Diese Reben stärkt er in der Verbindung zum Weinstock, der von Jahr zu Jahr immer kräftiger wird. Dieser Weinstock trägt oft über Generationen hinweg immer wieder neue Reben. Und der Weinstock versorgt die Reben mit Wasser und mit Nährstoffen.

Die Jünger sollen wie Reben am Weinstock bleiben. Sie bekommen dort alles, was wirklich wichtig für sie ist. Und während sie am Weinstock hängen, sorgt der Winzer, also Gott, dafür, dass der Frucht nichts im Weg steht. Gott schneidet die toten Triebe ab und die Energie des Weinstocks kann voll und ganz in die Frucht der Reben fließen. Alle brauchen dabei Geduld und alle müssen verbunden bleiben.

Eine Zeit zum Bleiben

Je länger die Aufforderung #wirbleibenzuhause gilt, desto mehr können wir vielleicht verstehen, was es heißt, zu bleiben. Mancher Aktionismus der letzten Jahre kommt zum Stillstand und erst jetzt merken wir, wie viel Energie in so manchen fruchtlosen Zweig geflossen ist. Es tut weh, wenn dieser Zweig jetzt abgeschnitten wird, und doch gibt der Schnitt dem Rest neue Kraft.

Sicher, die Versuchung ist da, schnell wieder loszulaufen, nicht zu bleiben. Aber wenn wir das Bild vom Weinstock ernst nehmen, dann tut es gut, noch etwas zu verweilen. Dann tut es gut, dem Weinstock nachzuspüren, Christus nachzuspüren.

Wir bleiben ohne Frucht, wo der Weinstock fehlt. Frucht wird aus uns hervorgehen, wo wir in Christus sind. Lasst uns darauf vertrauen, ebenso wie auf die Weisheit des Winzers. Denn Gott wird Früchte wachsen lassen. Geben wir Christus und Gott eine Chance und vor allem etwas Zeit, bevor wir wieder in den Alltagstrott zurückfallen. So lange möge gel-ten:

#wirBleibenInChristus

Das stärke Sie und Euch in dieser besonderen Zeit. Amen.

Lied: Leben aus der Quelle

Gebet

 

Gott, wir kommen zu dir im Gebet:

Christus, sei du in uns,
dass wir bleiben können,
frei von der Sorge für den nächsten Tag,
getragen in dir mit großer Kraft.

Christus, sei du in uns,
dass wir Frucht bringen,
in Fülle Gottes Schöpfung lobend,
jubelnd an diesem Tag.

Christus, sei du in uns,
wo Angst und Traurigkeit dunkle Schatten auf die Blätter unserer Reben legen,
wo die Einschränkungen von Corona und gefangen nehmen,
uns einzwängen, wo wir frei ranken sollten.

Christus, sei du in uns, wenn wir zu dir beten, wie du es uns gelehrt hast:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auch auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Ankündigungen

Vielleicht möchten Sie ja noch etwas beim Bild des Weinstocks verweilen. Dann macht Ihnen vielleicht ein Ausflug zum steilsten Weinberg Freude. Hierzu müssen Sie Ihr Zuhause nicht verlassen. Sie Sendung mit der Maus hat 2016 einen Weinberg an der Mosel besucht und dem Winzer bei der Pflege der Reben zugesehen.

Die Reihe finden Sie hier: https://www.wdrmaus.de/filme/sachgeschichten/a-bis-z.php5?filter=Weinbau

In der nächsten Woche erwarten Sie wieder zur Wochenmitte der #hoffnungsschimmer, am Freitag der Freitagspsalm und am kommenden Sonntag wieder Kirche zuhause.

Segen

Den Segen erbitten wir heute in Form eines Liedes: The Peace of the Earth