Gottesdienst für Zuhause.  Wir feiern am Sonntag, dem 10. Mai um 12:00 Uhr oder zu einem anderen Zeitpunkt Ihrer Wahl. Die Andacht hat Pfarrer Schünmmer gestaltet.
Pfarrer Schümmer und Pfarrerin Schrom sind den Tag über erreichbar, wenn Sie Gedanken oder Sorgen mit jemandem teilen möchten.

Gottesdienste zuhause der vergangenen Wochen finden Sie hier.


Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay

120 Trompeten sind nur der Anfang

Gottesdienst zuhause am Sonntag Kantate, dem 10. Mai 2020

Der heutige Gottesdienst hätte so viele Themen haben können: 75 Jahre Kriegsende, Muttertag, Wiederaufnahme von Gottesdiensten nach dem Corona-Lockdown, der Vorstellungsgottesdienst der Konfirmandinnen und Konfirmanden, der vor Corona eigentlich heute geplant war...

Ich möchte mich mit Ihnen dennoch heute eine kleine musikalische Reise beschreiten. Einige der anderen Themen werden dabei sicher zu Wort kommen und doch ist es die Musik, die mehr Raum einnimmt. Deshalb sind es auch drei Lieder, bei denen ich Sie zum Mitsingen einlade. Begleitungen zu den Liedern finden Sie im Internet. Die Adressen habe ich je-weils angegeben – wie gewohnt auch zum Einscannen.

Eröffnung zum Klang der Glocken um 12 Uhr oder zu jeder anderen Zeit

Suchen Sie sich einen schönen Ort in Ihrem Zuhause. Zünden Sie eine Kerze an. Und hören Sie auf den Klang der Glocken der Cyriakuskirche – unsere erste musikalische Station.

Wir nehmen uns Zeit, für dich Gott.
Komm du in unsere Wohnzimmer, an unsere Esstische, in unser Zuhause.
Wohne bei uns, wenn wir in deinem Namen zusammenkommen.
Und so vertrauen wir darauf, dass du mit uns bist, wenn wir Andacht feiern im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

„Du meine Seele singe“ (EG 302, 1,2+8)

1) Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd;
ich will Ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.

2) Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet, / der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, / den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig ungetrübt.

8) Ach ich bin viel zu wenig, / zu rühmen Seinen Ruhm;
der Herr allein ist König, / ich eine welke Blum.
Jedoch weil ich gehöre / gen Zion in Sein Zelt,
ist´s billig, daß ich mehre / Sein Lob vor aller Welt.

Text: Paul Gerhardt 1653
Melodie: Johann Georg Ebeling 1666

Gebet

Singen will ich vor Dir Gott,
doch die Sorge um das Leben lässt die Stimmen verstummen.
Erklingen will ich im Chor Gott,
doch Krankheit lässt mich einsam daheim.
Hören will ich dein Lied Gott,
doch schlagen Worte des Chaos über mich herein.
Bring zum Klingen Gott, das Lied des Lebens.
Stärke in mir die Partitur des Glaubens.
Führe all dies zusammen
Und sei dabei, wenn dein großes Loblied erklingt.
Amen.

Lob Gott getrost mit singen“ (EG 243, 1+2+4+6)

1) Lob Gott getrost mit Singen, frohlock, du christlich Schar!
Dir soll es nicht misslingen, Gott hilft dir immerdar.
Ob du gleich hier musst tragen viel Widerwärtigkeit,
noch sollst du nicht verzagen; er hilft aus allem Leid.

2) Dich hat er sich erkoren, durch sein Wort auferbaut,
mit seinem Eid geschworen, weil du ihm bist vertraut,
dass er sich lässet finden in aller Angst und Not;
er wird auch überwinden, die dich noch schmähn mit Spott.

4) Darum lass dich nicht schrecken, o du christgläubge Schar!
Gott wird dir Hilf erwecken und dein selbst nehmen wahr.
Hat er dich doch gezeichnet, gegraben in sein Händ:
dein Nam stets vor ihm leuchtet, dass er dir Hilfe send.

6) Gott solln wir fröhlich loben, der sich aus großer Gnad
durch seine guten Gaben uns kundgegeben hat.
Er wird uns auch erhalten in Lieb und Einigkeit
und unser freundlich walten hier und in Ewigkeit.

Melodie: Nürnberg 1535 / Johann Crüger 1662 / Otto Riethmüller 1932
Text und Melodie: Böhmische Brüder 1544

Sonntagsgedanken: Im Konzertsaal des Glaubens

Ein eher unbekannter Bibeltext soll heute an Kantate zum Klingen kommen. Er stammt aus dem zweiten Buch der Chronik, einem Buch, das die Feier Gottes über die Fakten der Geschichte legt, auf dass wir aus der Geschichte für unsere Tage lernen. Es ist ein Text voller Musik und voller Bilder – wie gemacht für eine monumentale Oper oder ein mehrstündiges Kino-Epos. Das bringt Spannung und doch ist es ein Text auf der Bühne der der Geschichte. Und deshalb lade ich Sie ein, einmal von der anderen Seite auf diesen Text zuzugehen. Lassen Sie sich furch die folgenden Bilder und Klänge treiben, ergänzen Sie, wo Ihnen eigene Melodien und Szenen in den Sinn kommen. So entsteht Ihr ganz eigenes Kunstwerk beim Lesen, das am Ende auf den Bibeltext treffen wird.

Sind Sie bereit? Dann folgen Sie mir zum Schauplatz des Geschehens. Wir stehen mitten vor dem neuen Gebäude. Nach Jahren der Bauzeit ist es endlich fertiggestellt. Viele Menschen stehen rechts und links neben uns – dicht gedrängt. Vorbei sind die Zeiten, wo selbst das nicht mehr ging. Vorbei die Tage, wo sich Menschen in Listen eintragen mussten und streng kontrolliert wurde, wer denn alles da ist. Alle wollen beim ersten Fest an diesem besonderen Ort mit dabei sein.

Aus den Gesprächen um uns herum erhaschen wir Schatten der Erinnerung. Was war geschehen?

Der Ort, an dem sich früher immer alle versammelt hatten und der so viele Erfahrungen von Gemeinschaft in sich trug, war viel zu lange abgesperrt. Eine Staubschicht lag über mancher Bank, bevor sie aus dem Gebäude getragen wurde. Mehr und mehr leerte sich, was Heimat gewesen war. Die Erinnerungen begannen zu verblassen, der gemeinsame Gesang verstummte mehr und mehr. In dieser Heimatlosigkeit regiert die Angst. Ganz zu Beginn waren es einige Streitigkeiten. Wie sollte der neue Ort aussehen? Welche Zelte mussten abgebrochen werden, welche konnten bleiben? Doch da war noch ein weiterer Ort – sicher nicht von gleicher Kraft, aber eben ein Ort, wo noch jeden Sonntag einige Stimmen nicht mit ihrem Gesang aufgaben. An diesem Ort gab es noch einige Monate Momente der Nähe unter den Menschen. Ja, dieser Ort hatte das Potential, zu wachsen.

Dann kam diese Krankheit dazu. Es war eine unbekannte Krankheit. Die vertrauten Gesichter versteckten sich aus Furcht vor der Krankheit hinter Masken. Einzig die Blumen harrten aus, zeigten Gesicht und ließen sich jede Woche neu in Form bringen für die Feier des Höchsten. Wenige Augen sahen sie, mehrten bei den Blumen jedoch nur die Sehnsucht angesehen und in ihrem Dasein mit Sinn erfüllt zu werden.

Doch jetzt dieser neue Ort. Jahre muss Salomo daran gebaut haben – Jahre in denen das Damals der Wanderung und die Nähe in der Stiftshütte so weit weggerückt waren. Jetzt ist das Bauwerk fertig. Jetzt stehen sie alle wieder hier – gespannt auf das, was wohl passieren wird. Die Hauptakteure treten auf. Die Priester, Experten für den wahren Kult. Sie, die mit ihrem Opferkult die Tür wieder öffnen werden. Sie tragen ihre Trompeten und sind bereit, die Menschen zur Versammlung zu rufen. Normalerweise reichen zwei davon aus, doch zu diesem besonderen Tag sollen es unzählige sein: 120 Trompeten, fünf aus jeder Gruppe der Priester. Daneben – sozusagen als Verstärkung des epischen Soundtracks – die Liturgen aus dem Stamme Levi. Asaf und Heman, die erfahrenen Chorleiter, machen sich bereit, für das Widererwachen des Gesangs, der so lange der Angst zum Opfer gefallen war. Ob es heute wieder gelingen wird? Wird ein Zusammenspiel möglich sein, nach so langer Zeit? Zaghaft spielen und singen sie. Anfangs trauen sie sich kaum. Wenig ist zu spüren von der gemeinsamen Musik des Lebens. Wie sollte es auch, waren sie doch so lange voneinander getrennt, dass ihre kleine Welt ein eigenes Lied zu schreiben begann.

Wird es nach dieser Zeit der Trennung und Isolation wieder möglich sein, dass alle „unisono“, mit einer Stimme singen, sprechen und spielen? Die eigenen Lieder brauchen Zeit und Raum. Erst muss all die Entbehrung heraus, erst müssen die Sorgen und Ängste ihr eigenes Lied finden. Es sind Klagelieder über den Verlust der alten Sicherheit. Es sind Klagelieder über das Zerbrechen des Miteinanders. Hier stehen sie, die gebrochenen Priester und Leviten, die Frauen und Männer des Landes. Sie stehen hier und geben ihrer Klage Töne.

Zum Singen und Spielen kommt das Hören hinzu. Und auf einmal ein Ton, ein einstimmiger großer Dank. Ein Loblied zur Ehre Gottes. „Er ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewig!“

Eine Wolke verdeckt den Blick auf den so lange geplanten Moment. Die Pläne des Einweihungsritus werden unwichtig. Die Streitereien sind in diesem Moment nebensächlich. In diesem Moment wird klar: Hier klingt ein neues Lied, in dem Gemeinschaft wieder klingen kann. Hier werden die vielen Lebenslieder aus ihrer Isolation befreit sodass sie in Freiheit erklingen können. Denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllt das Haus Gottes.

Wahrlich eine große Bühne in einem großen Haus. Und wahrlich weit weg von allem Erleben in diesen Tagen. Lasst uns darauf vertrauen, dass dieses Zusammenspiel auch uns wieder ergreifen wird. Lasst uns darauf hoffen, dass unser Sehnen neue Töne finden wird. Hört bis dahin auf euer persönliches Lied! Hört die Klänge des Lobes und der Klage, die Töne der Sehnsucht und der Freude. Singt sie, spielt sie, und macht euch bereit für den Moment, an dem die Lieder wieder zusammen erklingen.

Denn ich bin sicher, dass Gott für dieses große Werk auch unter uns wieder eine Spielstätte im Leben findet! Möge Gott uns in diesem Moment eine Stimme in seinem Soundtrack des Lebens schenken.

Amen.

„Ich sing dir mein Lied“ (EGplus 96)

Ein Blick in das zweite Buch der Chronik

Im alten Israel war ein ganz ähnliches Bild mit der Hoffnung auf Gottes Gegenwart im Tempel verbunden. Es erzählt von der Einweihung des Salomonischen Tempels. Auch hier war alles vorbereitet. Die Bundeslade mit den Gesetzestafeln stand bereit und alle waren gespannt darauf, ob die erste Feier im Tempel unter dem Segen Gottes stehen würde.

2. Chronik 5 12 Und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertundzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus des Herrn erfüllt mit einer Wolke, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.

Gebet

Gott, Klangmeister des Lebens:
Höre die vielen Klänge in unseren Gedanken,
wo uns die Stimmen der Korona-Krise verwirren,
wo die Nachrichten nur Missklänge ertönen lassen.
Ordne die Stimmen
und lass sie klingen in deinem Lied des Lebens.

Gott, Klangmeister des Lebens:
Höre die Töne des Leids,
stumme Schreie der Verängstigten,
schmerzvolle Rufe der Kranken.
Heile die Stimmen
und lass sie klingen in deinem Lied des Lebens.

Gott, Klangmeister des Lebens:
Höre die Töne der Freude und des Danks,
das Lachen bei einer ersten Begegnung,
die Zuversicht wo ein Stück Normalität einzieht.
Bewahre diese Stimmen
und lass sie klingen in deinem Lied des Lebens.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auch auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Segensbitte

Weiterklingen

Statt eines Nachspiels lade ich Sie heute zu einer musikalischen Entdeckung in das Genre der Minimal-Music ein. Das Stück Canto Ostinato von Simeon ten Holt begleitet meine Lebensmelodie seit einigen Jahren. Es sind wahrscheinlich gerade die Einzelstimmen, die mit Nähe und Distanz spielen und meine eigene Stimme beim Hören mit hineinnehmen in diesen fast meditativen Gang durch Raum und Zeit.