Gottesdienst für Zuhause.  Wir feiern am Sonntag, dem 24. Mai um 12:00 Uhr oder zu einem anderen Zeitpunkt Ihrer Wahl. Die Andacht hat Pfarrerin Schrom gestaltet.
Pfarrerin Schrom und Pfarrer Schümmer sind den Tag über erreichbar, wenn Sie Gedanken oder Sorgen mit jemandem teilen möchten.

Gottesdienste zuhause der vergangenen Wochen finden Sie hier.


Höre unser Rufen, Gott!

Gottesdienst zuhause am Sonntag Exaudi, dem 24. Mai 2020

Vor 6 Wochen haben wir Ostern gefeiert. „Ostern aus der Tüte“, ein ganz anderes Ostern als wir es gewohnt sind. Doch die Botschaft haben wir wieder gehört und gespürt. Neues Leben aus dem Tod. Christus ist auferstanden. Gottes Liebe überwindet die Mächte von Gewalt, Tod und Zerstörung. Sie macht das Leben neu. Diese Botschaft brauchen wir. In diesem Jahr, wo Corona unser Leben so verändert und uns unsere Verletzlichkeit so unmissverständlich bewusst macht, ganz besonders. Österliche Hoffnung wurde in den letzten Sonntagen „durchbuchstabiert“.

Parallel dazu kehrt in immer mehr Bereiche des Lebens der Alltag wieder ein. Es ist ein veränderter Alltag nach dem durch Corona bedingten Stillstand. Hoffnung und Sorge begleiten ihn. Wir haben wieder mehr ersehnte Freiheiten. Wir tragen alle selbst Verantwortung dafür, dass sie uns erhalten bleiben. Uns wird zugetraut, selbstständig die Regeln einzuhalten. Es ist ein seltsamer Schwebezustand. Manchmal fühlt sich das Leben wieder „normal“ an, wir können uns wieder treffen und freier bewegen. Doch die Sorge schwingt immer mit: wird das gut gehen? Schaffen wir, das Virus in Schach zu halten und uns und andere zu schützen?

Wir sind froh, als freie Menschen wieder mehr über uns und unser Leben bestimmen zu können und sehen mit Sorge, wie andere vieles sorgloser, vielleicht auch rücksichtsloser angehen. Die Freiheit ist gut und manchmal wächst der Wunsch nach einer klaren Linie und jemandem, der die Verantwortung trägt, wenn‘s schiefgeht…

In einem Schwebezustand sind wir heute auch im Glaubens- und Kirchenjahr. Christi Himmelfahrt hat den Jüngerinnen und Jüngern endgültig klar gemacht, dass ihr Leben mit Christus nicht mehr so wird, wie es vor Karfreitag und vor Jesu Tod war. Sie gehen in eine „neue Normalität“. Sie müssen selbständig im Glauben weiterleben, die Nähe Gottes auf neue Weise erleben. Wie wir. Auf sich gestellt, aber nicht verlassen und vergessen. Mit ein wenig Kraft und Hoffnung und einer großen Verheißung, nie alleingelassen zu sein. Kraft von Gott zu empfangen, immer genug, um vertrauensvoll weiter zu leben.

Exaudi, „Höre mein Rufen!“, heißt dieser 6. Sonntag nach Ostern. Der Name stammt aus dem 7. Vers des Wochenpsalm 27. Höre mein Rufen, Gott, höre unser Rufen, Gott, diese Bitte durchzieht diese Zeit. Suche nach Gottes Nähe und Begleitung, wenn wir in allen Unsicherheiten und Zweifeln selbständig und eigenverantwortlich unsre Wege gehen dürfen und müssen. Im Alltagsleben wie im Glauben.

So versammeln wir uns heute wieder zum Gottesdienst zuhause, an verschiedenen Orten. Verbunden im Glauben.

Votum

Beim Licht einer Kerze und dem Klang der Glocken beginnen wir unseren Gottesdienst im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Ein Lied: Wie lieblich ist der Maien (EG 501)

1 Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,
des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.
Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid,
die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

2 Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein!
Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein.
Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß;
drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloß’

3 Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein,
damit sich’s möge schicken, fröhlich im Geist zu sein,
die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,
das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.

4 Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein
und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein;
die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei,
damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.

Text: Martin Behm (1604) 1606
Melodie: Johann Steurlein 1575; geistlich Nürnberg 1581

 

Wir beten mit Worten aus dem 27. Psalm

1 Der HERR ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?

7 HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und antworte mir!

8 Mein Herz hält dir vor dein Wort: / »Ihr sollt mein Antlitz suchen.«
Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.

9 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!

10 Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,
aber der HERR nimmt mich auf.

11 HERR, weise mir deinen Weg
und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.

12 Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!
Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht.

13 Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde
die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.

14 Harre des HERRN!
Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

Bibeltext der Lutherbibel revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

... und mit Worten aus unserer Zeit

Höre meine Stimme, wenn ich rufe, Gott!
Wir haben dir so vieles zu sagen , Gott., in dieser Zeit voll Unsicherheit.
Wie, das fragen wir dich, Gott,
wie, bitte, sollen wir uns nicht fürchten?
Corona ist noch nicht besiegt. Das Virus verbreitet sich weiter in unserer Stadt, in unserem Land, in der ganzen Welt – und um uns herum werden die Menschen immer leichtsinniger, sorgloser, unvernünftiger…
Wir hören Nachrichten – und sehen, wie weltweit Menschen unter den vielfältigen Folgen des Virus leiden, wie verantwortungslos einige Verantwortungsträger und Regierungen handeln.
Fast vergessen hinter Corona lauer noch andere Sorgen und Ängste.
Gewalt und Kriege, soziale Nöte, zunehmender Rassismus und Nationalismus, die Sorge um das Klima …
Wie soll das nur weitergehen mit uns und der Welt, Gott?
Wie, das fragen wir dich, Gott,
wie, bitte, sollen wir getrost und unverzagt sein?
Manchmal überwältigt uns das,
was wir hören und sehen.
Das Leiden.
Die Ungerechtigkeit.
Die Gewalt.
Höre unser Fragen, Gott.
Höre unser Rufen, Gott.
Und gib uns Mut.
Heute und jeden Tag neu.
Amen.

Sonntagsgedanken

Es sind schon seltsame und fragwürdige Szenen, die sich in den letzten Wochen, vor allem an Wochenenden in vielen Städten abspielen: Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen, vorgeblich aus Sorge um die Grundrechte, die sie bedroht sehen. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem die strikten staatlichen Maßnahmen zurückgenommen werden und den einzelnen Bürgerinnen und Bürgern wieder viel mehr Freiheit und Verantwortung für ihre Lebensgestaltung zurückgegeben wird, trotz weiterer Bedrohung durch das Corona-Virus. Denn die Ausbreitung des Virus ist ja nur eingedämmt, aber nicht überwunden.

Ich denke ja, dass in der Zwangspause des gewohnten Alltagslebens sogar einige Mängel in der Einhaltung von Grundrechten offensichtlich geworden sind, über die wir sonst leicht hinwegsehen. Wie steht es um das Recht auf Leben und Gesundheit, wenn das Gesundheitssystem wirtschaftlichen Prinzipien untergeordnet ist, statt medizinischen? Was ist mit dem Recht auf Bildung, wenn sie stark von den sozialen Hintergründen zuhause abhängt? Wie steht es um die Unantastbarkeit der Menschenwürde für die Arbeiter*innen in den Schlachtfabriken, in Flüchtlingslagern vor den Grenzen Europas, in Massenunterkünften in unseren Städten,... Die Liste lässt sich noch sehr weit fortsetzen.

Jetzt einfach zur alten Tagesordnung übergehen?? In vielen Punkten wäre Weitsicht, innehalten, abwägen, umdenken und umsteuern angebracht in dieser Umbruchszeit. Wie geht es weiter in unseren vielfältigen Lebensbereichen nah und fern?

Der Predigttext für den heutigen Sonntag nimmt uns mit, weit zurück in die Geschichte Gottes mit den Menschen, in die bewegte Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel.

Sie haben den Bund mit Gott gebrochen und nun die Quittung dafür erhalten. So haben sie den Verlust des Tempels und der Heimat in der Zeit des babylonischen Exils verstanden.

Und Gott?

Beleidigt und gekränkt hätte Gott sich zurückziehen können. „Ich habe die Nase voll von euch Menschen. Macht doch, was ihr wollt, aber ohne mich!“ Verständlich wäre das gewesen und nachvollziehbar.

Doch Gott entscheidet sich für einen anderen Weg.

Predigttext Jeremia 31, 31-34

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR:
Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.
34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR;
denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Bibeltext der Lutherbibel revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Er gibt seine Liebe einfach nicht auf. Er bleibt seinem Volk treu. Er schließt einen neuen Bund mit ihnen, lange vor Christus. Gott rechnet nicht auf, Gott rechnet nicht vor, Gott verlangt keine Wiedergutmachung. Gott entscheidet sich klar und eindeutig für einen anderen Weg. Er will seinen Menschen weiter verbunden sein und sie begleiten, denn er liebt sie doch, so wie sie sind, fehlerhaft und treulos, gleichgültig und selbstherrlich. Es steht viel Trennendes zwischen Gott und Mensch, keine Frage, damals und heute. Aber die Liebe ist größer.

Der neue Bund ist eine Herzensangelegenheit für Gott und für die Menschen. Gott will das Herz der Menschen berühren, ihr Innerstes, ihr Denken und Handeln.

Gott hält an seinem Bund fest, geht mit durch die Zeiten und erneuert ihn, weitet ihn aus, bietet ihn neu an. Das zieht sich durch beide Testamente der Bibel.

Auch wir dürfen uns Gottes Worte und Gebote zu Herzen nehmen, sie verinnerlichen. Nach Gott rufen und auf seine Antwort warten. Uns daraus inspirieren lassen in unserem Träumen und Hoffen, in unseren Zweifeln und kritischen Fragen, in unserem Suchen nach einer „neuen, guten Normalität“ auch mit und nach Corona.

Wir singen: Wohl denen, die noch träumen (EG plus 41)

1 Wohl denen, die noch träumen
in dieser schweren Zeit.
Wir wollen nicht versäumen,
was ihnen Kraft verleiht.
Lass uns in ihren Spuren gehen
und schenk uns Fantasie,
die Welt im Licht zu sehn.

2 Die noch Gefühle zeigen
und gegen Unrecht sind,
die an der Welt noch leiden
und weinen wie ein Kind,
die, guter Gott, lass nicht allein.
Wir brauchen ihre Wärme.
Lass sie uns Vorbild sein.

3 Und die, die fröhlich lachen,
behalt in deiner Hut.
Die auch mal Unsinn machen,
o Herr, schenk ihnen Mut.
Wir brauchen ihren Lebenssaft –
zu nüchtern ist die Welt!
Gib den Verrückten Kraft.

4 Wer Zweifel hat und Fragen,
den lade zu dir ein.
Lass ihn in deiner Kirche
bei uns zuhause sein,
weil Glaube nur lebendig ist,
wo wir gemeinsam suchen –
halt an den Zweiflern fest.

5 So schenk uns deinen Segen
und führe uns ganz sacht,
begleit uns auf den Wegen,
die du für uns erdacht.
Und jeder Mensch, ob groß, ob klein –
so wie du ihn erschaffen –
soll andern Segen sein.

Text: Uwe Rahn.
Musik: Heinrich Schütz 1661. ©right; Text: beim Urheber

Gebet

Höre unser Rufen, Gott! Höre, was uns heute bewegt, jede einzeln, jeden einzelnen von uns. Wir sagen es dir ganz persönlich …

Stille oder ausgesprochen Gebetsanliegen

Höre unser Rufen, Gott. Das und noch viel mehr haben wir dir zu sagen. Manchmal finden wir keine Worte dafür. Das alles nehmen wir mit in das Gebet, dass Jesus Christus uns zum zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auch auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen

Segensbitte

Gott segne uns/mich und behüte uns/mich.
Lass dein Angesicht leuchten über uns/mir und sei uns/mir gnädig.
Erhebe dein Angesicht auf uns/mich und schenke uns/mir und der ganzen Welt Frieden.
Amen

Zum Ausklang, zum Anhören, Mitlesen und Mitsingen

Öffne meine Augen, dass sie sehen die Wunder an deinem Gesetz (EG176)

Öffne meine Augen,
dass sie sehen die Wunder an deinem Gesetz. Amen.
Kanon:
Die Gott suchen, die Gott suchen,
denen wird das Herz aufleben.
denen wird das Herz aufleben.

Text: Psalm 119,18; Psalm 69,33
Melodie und Kanon für 4 Stimmen: Friedemann Gottschick 1983