Gottesdienst für Zuhause.  Wir feiern am Sonntag, dem 21. Juni um 12:00 Uhr oder zu einem anderen Zeitpunkt Ihrer Wahl. Die Andacht hat Pfarrerin Schrom gestaltet.
Pfarrerin Schrom ist den Tag über erreichbar, wenn Sie Gedanken oder Sorgen mit jemandem teilen möchten.

Gottesdienste zuhause der vergangenen Wochen finden Sie hier.


Sommer, Sonne, Urlaubsfreuden?!

Gottesdienst zuhause am 2. Sonntag nach Trinitatis, dem 21. Juni 2020

Heute ist Sommeranfang, der längste Tag und die kürzeste Nacht. Ich lade Sie ein, den Sommer an diesem 2. Sonntag nach Trinitatis mit einem Gottesdienst zuhause zu feiern. Sie kennen das ja schon. Vielleicht haben Sie Lust, sich heute einen besonders sommerlich zu Platz zu suchen. Auf dem Balkon, der Terrasse, im Garten oder Park. Oder einfach dort wo Sie sich in Ihrer Wohnung wohlfühlen, mit Kerze, Blumen und dem Klang unserer Glocken.

Votum

Wir sind versammelt an verschiedenen Orten und doch nicht allein.
Wir sind verbunden im Glauben an Gott,
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen

Tut mir auf die schöne Pforte (EG166, 1+2+4)

Ein Lied zum Zuhören oder Mitsingen zur Einstimmung.

1. Tut mir auf die schöne Pforte,
führt in Gottes Haus mich ein;
ach wie wird an diesem Orte
meine Seele fröhlich sein!
Hier ist Gottes Angesicht,
hier ist lauter Trost und Licht.

2. Ich bin, Herr, zu dir gekommen,
komme du nun auch zu mir.
Wo du Wohnung hast genommen,
da ist lauter Himmel hier.
Zieh in meinem Herzen ein,
lass es deinen Tempel sein.

4. Mache mich zum guten Lande,
wenn dein Samkorn auf mich fällt.
Gib mir Licht in dem Verstande
und was mir wird vorgestellt,
präge du im Herzen ein,
lass es mir zur Frucht gedeihn.

Text: Benjamin Schmolck (1734); Melodie: Joachim Neander (1680), Darmstadt (1698).

Wir beten mit Worten aus dem 36. Psalm, dem Wochenpsalm für diese Woche.

6 HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
7 Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes
und dein Recht wie die große Tiefe.
HERR, du hilfst Menschen und Tieren.
8 Wie köstlich ist deine Güte, Gott,
dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!
9 Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
10 Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Bibeltext der Lutherbibel revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Sonntagsgedanken: Sommeranfang

Heute ist Sommeranfang. Die Sommerferien sind zum Greifen nahe. Die langen hellen und warmen Tage locken viele Menschen nach draußen. In Gärten und Parks, in Schwimmbäder und Eiscafés, in Naherholungsgebiete. Für viele ist der Sommer auch die Haupturlaubszeit. Verreisen, rauskommen aus dem Alltag, mal was anderes sehen, erholen, entspannen, die Seele baumeln lassen. Normalerweise. Aber was ist in diesem Jahr noch normal? Corona hat unser Leben, unseren Alltag sehr verändert. Die strengen Maßnahmen des „Lockdown“ sind zu großen Teilen aufgehoben oder zumindest stark gelockert worden. Die Infektionszahlen sind in Deutschland rückläufig. Das Schlimmste scheint überstanden zu sein. Die lauten Rufe nach Freiheit und Normalität finden immer mehr Gehör.

Gerade rechtzeitig zum Beginn der Urlaubssaison sind Reisewarnungen aufgehoben und einige Grenzen geöffnet worden. Manche schon fast aufgegebenen Urlaubspläne werden wieder möglich. Ein Grund zur Freude und zur Hoffnung, die gleich neue Fragen mit sich bringen: wir dürfen, ja. Aber wollen wir das auch, trauen wir uns in dieser Situation zu reisen, im vollen Flugzeug oder eine vollen Bahn? Wird das unter den Umständen ein erholsamer, schöner Urlaub, oder ist es doch besser, zu hause zu bleiben? Urlaub in „Heimisch Balkonien“, zwischen Nidda, Main und Taunus?

In manchen Bereichen kann es jetzt nicht schnell genug gehen. Schulen und Kitas sollen alle Abstandsregeln über den Haufen werfend die letzten Wochen bis zu den Ferien wieder mit allen Kindern und in voller Klassenstärke das Schuljahr zu Ende bringen. Bei schönem Wetter sind Cafés, Einkaufsstraßen und Parks wieder voll als sei nichts gewesen. Neben denen, die die Sommerfreuden offensichtlich genießen, höre ich viele zurückhaltende, besorgte Stimmen. Wird nicht zu schnell und zu viel gelockert?

Es hat uns alle persönlich und als Gesellschaft sehr viel gekostet, die Verbreitung des Virus soweit einzudämmen. Das wollen wir nicht leichtfertig und mit unabsehbaren Konsequenzen verspielen. An die Stelle allgemeiner Regeln und Verordnungen „von oben“ tritt wieder viel Freiheit für jede und jeden Einzelnen, vernünftig, rücksichtsvoll und verantwortungsvoll damit umzugehen. Vertrauen ist in dieser Zeit nicht so leicht. Die Freude ist verhalten, bange Fragen und Sorgen ziehen wie dunkle Wolken über den Sommerhimmel.

Predigttext: Matthäus 11, 25-30

Bilder und Worte aus dem Psalm und dem Predigttext des heutigen Sonntags klingen wie Balsam für die Seelen:

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.
26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.
27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Bibeltext der Lutherbibel revidiert 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Was für eine Einladung! Die Sorgen, Mühen und Belastungen nicht allein tragen und mit sich selbst ausmachen zu müssen. Christus fordert uns direkt auf, ihn an unseren Sorgen zu beteiligen. Ein zugewandtes, mitfühlendes Herz, ein offenes Ohr und ein aufrichtiges Gespräch, das bringt Erleichterung. Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass Sie diese Erfahrung schon oft machen durften und weiterhin machen dürfen. Das ist es, was wir von Christus lernen und weitergeben können.

Die vielen Fragen und Unsicherheiten sind zermürbend und manchmal schwer auszuhalten. Wann können wir uns wieder unbesorgt mit unseren Verwandten und Freund*innen treffen und sie in den Arm nehmen? Und unsere Lieben in Pflegeheimen und Krankenhäusern besuchen? Abstandhalten, Kontaktbeschränkungen, Rückzug und Einsamkeit lasten schwer auf auf vielen, auch hier unter uns, in unsere Gemeinde, Nachbarschaft und Familien.

Neben den ganz persönlichen Fragen und Problemen hat Corona etliche gesellschaftliche Problemfelder offen zu Tage gefördert. Angefangen von den wirklich „systemrelevanten“ Berufen mit ihren Arbeitsbedingungen und Bezahlungen in der Pflege, im Einzelhandel, der Logistik, … über die weltweiten wirtschaftlichen Zusammenhänge und Abhängigkeiten bis zu ökologischen und sozialen Themen. Und das Virus macht weder vor nationalen Grenzen Halt noch macht es soziale Unterschiede. Es verbreitet sich grenzenlos und dort besonders gut, wo Menschen dicht an dicht leben und arbeiten (müssen). Die massenhafte Ansteckungswelle unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Schlachtindustrie wirft ein grelles Licht auf menschen- (und tier)unwürdige Lebens- und Arbeitbedingungen mitten unter uns. Die wollen wir lieber nicht wahrhaben.

All das sind harte und sehr schwere Brocken. Die können wir nicht allein tragen, noch weniger lösen. Das sind Aufgaben, die zu großen Teilen den politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen aufgegeben sind, in internationaler Zusammenarbeit. Doch sie berühren auch uns mit Fragen nach unserem Lebensstil und unsere Konsumgewohnheiten, mit dem, was wir dafür hinzunehmen bereit sind.

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Jesu Einladung kommt da gerade recht. Die Sorgen, die Probleme, die Nöte nicht allein tragen zu müssen. Damit sind sie natürlich nicht einfach aus der Welt geschafft. Das zu erwarten wäre naiv und lebensfremd. Wir können sie auch nicht einfach bei Christus abgeben und ihm überlassen als gingen sie uns nichts mehr an. Vielmehr geht es darum, wie sie tragbarer werden, wie wir nächste Schritte gehen können.

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir.

Ein Joch ist ein ganz altes landwirtschaftliches Hilfsmittel. Ein langer Holzbalken mit einer Aussparung im Nackenbereich, der über die Schultern gelegt wird. Mit seiner Hilfe kann man schwere Lasten besser tragen als mit bloßen Händen. Manchmal kann man sie in Freilichtmuseen ausprobieren. Die angehängten Lasten, z.B. Wassereimer sind natürlich noch genauso schwer, wie wenn man sie mit bloßen Händen tragen würde. Aber ihr Gewicht verteilt sich besser. Man hat die Hände frei und kann aufrechter damit gehen. Die Last wird im wahrsten Sinne des Wortes erträglicher.

Darum geht es Christus, ihn an den Lasten unsere Lebens zu beteiligen, damit sie erträglicher werden. Dass wir im Vertrauen auf Gottes himmelweite Güte gute Wege des Lebens einschlagen können, Kraft und Hoffnung schöpfen, das Licht nicht aus den Augen verlieren.

Einladung zum Gebet

Zu Gott dürfen wir kommen mit allem, was uns bewegt. Unsere Freuden und unseren Dank dürfen wir ihm bringen, unsere Sorgen und Ängste, Not und Schuld bei ihm ablegen.
Wenn Sie mögen, können Sie ihr Gebt mit dem folgenden Liedvers „einrahmen“ oder ihn sogar nach jedem Anliegen abspielen: Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.

Kommt her zu mir, ihr Mühseligen und Beladenen, ich will euch erquicken - so lädst du uns ein, Jesus Christus. Danke dafür. Das haben wir in dieser Zeit ganz besonders nötig.
Wir bringen dir unseren Dank, dass wir gesund geblieben sind und verhältnismäßig gut durch diese Pandemie gekommen sind. Doch es schwingt immer die Sorge mit, wenn wir die Nachrichten hören. So viele Infizierte in den Schlachtfabriken. Mörderische Arbeitsbedingungen, würdelose Unterkünfte, Gott, wir klagen es dir. Wir legen Dir die Kranken an Herz und die Verantwortlichen in den Konzernleitungen, in Politik und Wirtschaft.
Wir legen dir alle Kranken an Herz, sei es Corona, sei es eine andere Krankheit, seien sie uns nahe, seien sie uns unbekannt.
Wir bringen dir unsere Freude. Es ist Sommer. Wir freuen uns an den Blüten und Früchten. Wir können viel Zeit draußen verbringen. Wir dürfen uns wieder mit anderen treffen. Das tut uns gut. Und doch ist es eine verhaltene Freude. Es schwingt die Sorge mit, ob das gut geht. Ob wir und die anderen vernünftig und verantwortungsbewusst genug bleiben.
Wir legen dir alle Unbeschwerten und alle Besorgten ans Herz.
Wir bringen dir unsere Sorgen und Ängste. Die Gewalt und der wachsende Rassismus erschüttern uns. Ist er wirklich nur weit weg von uns? Was geschieht alles auch in unserer Nähe. Was lassen wir zu, wo gucken wir weg, wo stimmen wir insgeheim zu? Wo engagieren wir uns für ein friedliches Zusammenleben?
Wir legen dir die Opfer von Gewalt aller Art an Herz. Und alle, die ihnen beistehen.
Bei dir sind wir in guten Händen mit allem, was uns bewegt. Höre, was wir dir noch ganz persönlich sagen möchten …

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auch auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen

Segensbitte

Gott segne und uns behüte uns.
Lass du dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Erhebe dein Angesicht auf uns und schenke uns und der ganzen Welt Frieden.
Amen.

Geh aus mein Herz (EG503, 1-3+5+6+8)

Mit „DEM Sommerlied schlechthin“ wünsche ich Ihnen einen gesegneten, frohen Sonntag und einen guten Sommeranfang.

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben,
sich ausgeschmücket haben.

2. Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide;
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis Seide,
als Salomonis Seide.

3. Die Lerche schwingt sich in die Luft,
das Täublein fliegt aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder;
die hoch begabte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder,
Berg, Hügel, Tal und Felder.

5. Die Bächlein rauschen in dem Sand
und malen sich an ihrem Rand
mit schattenreichen Myrten;
die Wiesen liegen hart dabei
und klingen ganz vom Lustgeschrei
der Schaf und ihrer Hirten,
der Schaf und ihrer Hirten.

6. Die unverdrossne Bienenschar
fliegt hin und her, sucht hier und da
ihr edle Honigspeise;
des süßen Weinstocks starker Saft
bringt täglich neue Stärk und Kraft
in seinem schwachen Reise,
in seinem schwachen Reise.

8. Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen,
aus meinem Herzen rinnen.

Text: Paul Gerhard (1653); Melodie: August Harder (vor 1813).